Coach Gelaber · Folge 27
Emotionale Intelligenz & Führung – ein 5-Minuten-Check unter Druck
Eine geführte Mini-Intervention für Führungskräfte und alle, die Verantwortung tragen: In rund fünf Minuten führt Dich Christopher Salmi durch die vier Ebenen seines HERZ-Modells -- Haltung, Emotionale Intelligenz, Resilienz und Zukunftsführung. Erst regulieren, dann reflektieren: mit je einer Leitfrage pro Ebene, kleinen Körperübungen und einem Wochen-Commitment zum Abschluss. Ideal vor einem wichtigen Termin oder nach einer Stresssituation.
Das Wichtigste in Kürze
- Bevor wir denken, regulieren wir: 30 Sekunden ankommen, vier Sekunden ein- und sechs Sekunden ausatmen -- das aktiviert den Parasympathikus.
- Haltung: Wo reagiere ich emotional immer wieder gleich, obwohl ich es besser weiß -- und was will diese Reaktion eigentlich schützen?
- Emotionale Intelligenz: Was sehe ich bei anderen sofort, was übersehe ich systematisch? Beobachtung sagt mehr über den Beobachter aus (Luhmann).
- Resilienz heißt nicht Härte, sondern Rückkehrfähigkeit: „Unter Druck werde ich nicht schlechter, ich werde enger -- was brauche ich, um mich wieder zu öffnen?"
- Zukunftsführung: Was müsste ich heute regelmäßig kultivieren, damit Zukunft möglich wird? Dazu ein kleines Verhalten als Wochen-Commitment.
Transkript
Herzlich willkommen zur Mini-Intervention „Innerer Führungscheck".
Eine Mini-Intervention oder auch Reflexion, die Kopf, Gefühl und Körper verbindet. Angelehnt an Selbstregulation mit Blick auf die Neurobiologie, Reflexion im Sinne der Systemtheorie und Zukunftsorientierung im Sinne einer antizipativen Führung.
Ich werde mit dir gleich durch vier Ebenen gehen. Vier Ebenen, die sich orientieren an meinem HERZ-Modell, das ich entwickelt habe, um Führung nachhaltig weiterzuentwickeln.
Führung nicht nur im Sinne einer disziplinarischen Führung, sondern auch, wenn du verantwortlich bist als Projektleiter, als Squadlead, als Projektmanager oder dergleichen. Auch da ist es hochrelevant.
Die vier Ebenen sind zum einen die Haltung, die emotionale Intelligenz, die Resilienz und Zukunftsführung. Sozusagen das HERZ-Modell, das Akronym für genau diese vier Ebenen.
Nun, wir werden uns je Ebene ungefähr 90 Sekunden Zeit nehmen und ich gebe dir je Ebene eine leitende Reflexionsfrage und an der einen oder anderen Stelle noch ein paar Ergänzungen. Gegebenenfalls auch, warum wir uns jetzt gerade mit diesem Punkt beschäftigen. Also welche Intention oder welcher Gedanke dahintersteckt. Und wenn diese 90 Sekunden um sind, gehen wir wieder zur nächsten Ebene und so weiter.
Du kannst dir einen Ort suchen, wo du ganz für dich sein kannst, wo du vielleicht auch die Augen schließen kannst. Und du kannst natürlich diese Mini-Reflexion und Mini-Intervention so oft wie du willst wiederholen. Oder auch Teile davon, wenn du durch bestimmte Situationen zum Beispiel gehst.
Start Reflexion - Phase 0
Nun, lass uns gern beginnen. Aber zu Beginn, bevor wir richtig einsteigen, komm erstmal an.
Nimm dir mal 30 Sekunden für dich ganz allein. Denn bevor wir denken, regulieren wir.
Schau, dass du beide Füße fest auf dem Boden hast. Nimm den Boden einmal wahr. Den Kontakt zwischen deinen Füßen und dem Untergrund.
Ziehe einmal die Schultern bewusst hoch und lass sie fallen. Entspanne.
Nimm nun drei tiefe Atemzüge. Atme dabei länger aus als ein. Du kannst beispielsweise vier Sekunden einatmen und sechs Sekunden aus.
Nimm nun erstmal den ersten tiefen Atemzug und spüre dabei, wie sich dein Bauch hebt beim Einatmen. Und der Bauch sich wieder senkt beim Ausatmen.
Atme wieder vier Sekunden ein. Und sechs Sekunden aus.
Atme wieder ein. Spüre dabei, wie die Luft durch deine Nase einströmt. Und sechs Sekunden aus. Nimm wahr, wie die Luft langsam durch deinen geöffneten Mund austritt.
Und dein letzter Atemzug. Vier Sekunden ein. Und sechs Sekunden aus.
Wenn in der Reflexion Gedanken auftauchen: Das ist normal. Unser Geist macht sowas. Lass sie einfach weiterziehen, wie Wolken am Himmel.
Was wir damit tun, ist, dein parasympathisches System zu aktivieren. Dadurch fährt das Stresslevel runter. Eine wunderbare Grundlage für Reflexionsfähigkeit. Auch das kannst du natürlich jederzeit für dich ganz allein machen. Vielleicht vor einem wichtigen Termin oder nach einer Stresssituation.
Ebene: Haltung
Beginnen wir mit der ersten Ebene, der Haltung. Emotionale Stolperstellen.
Frage dich leise und ehrlich: Wo reagiere ich emotional immer wieder gleich? Obwohl ich es besser weiß.
Wo im Körper spürst du das gerade? In der Brust? Im Bauch? Im Kiefer? Oder doch im Nacken?
Was will diese Reaktion eigentlich schützen?
Nun, Emotionen sind keine Störung, sondern Hinweise auf innere Logiken. In dem Sinne kannst du dich immer wieder fragen, wo du emotional immer wieder gleich reagierst, obwohl du es eigentlich besser weißt. Wo du es im Körper spürst und was diese Reaktion eigentlich beschützen möchte.
Nimm nochmal einen tiefen Atemzug und atme kräftig aus.
Ebene: Emotionale Intelligenz
Gehen wir weiter zur zweiten Ebene. Der Ebene der emotionalen Intelligenz. Wahrnehmungsfilter.
Frage dich: Was sehe ich bei anderen sofort und was übersehe ich systematisch?
Und wenn andere Gedanken auftauchen, andere Bilder, Dinge, die dich irgendwie ablenken von dieser Frage, lass genau das einfach weiterziehen. Du brauchst es nicht bewerten. Du brauchst nicht reagieren. Lass es einfach weiterziehen. Wie Wolken am Himmel. Und bleibe bei der Frage: Was sehe ich bei anderen sofort und was übersehe ich systematisch?
Du kannst als Mini-Tool, als kleinen Perspektivwechsel, Folgendes benutzen. Denk zum Beispiel an eine konkrete Person, die dich zuletzt getriggert hat. Und vervollständige folgenden Satz im Kopf: Wenn ich diese Person wäre, würde mein Verhalten Sinn machen, weil ... Und ergänze das, was in dir hochkommt.
Der Kern dieser Fragen oder dieser Perspektive ist, dass schon Luhmann sagte: Beobachtung sagt immer mehr über den Beobachter als über das Beobachtete aus.
Ebene: Resilienz
Nun gehen wir auch da einen Schritt weiter, zur Resilienz. Reaktionsmuster unter Druck.
Frage dich: Wenn es ernst wird, kämpfe ich? Fliehe ich? Oder werde ich starr?
Du kannst dafür auch eine Körperübung benutzen, die ungefähr 30 Sekunden dauert.
Drücke beide Füße fest in den Boden. Spanne kurz Gesäß und Beine an. So fest du kannst. Und löse es. Und denke dabei einmal ganz bewusst: Ich bin da.
Eine wunderbare Übung, die du auch im Alltag immer wieder benutzen kannst, um dich zu fokussieren. Also ganz einfach: Presse beide Füße fest in den Boden, spanne dein Gesäß und die Beine richtig an, so fest du kannst. Halte es kurz, zähle beispielsweise bis fünf, und dann lass es wieder los. Und denke dabei ganz bewusst: Ich bin da.
Und ein weiterer Reflexionssatz kann dabei sein: Unter Druck werde ich nicht schlechter. Ich werde enger. Was brauche ich, um mich wieder zu öffnen oder mich zu weiten?
Diese Frage kannst du dir immer wieder stellen, um ein Stück weit aus der Metaperspektive vielleicht mal auf das Thema zu schauen, das dich enger werden lässt. Denn Resilienz heißt nicht Härte, sondern Rückkehrfähigkeit.
Ebene: Zukunft Führung
Nun gehen wir zur vierten und somit schon letzten Ebene, Zukunftsführung. Kultivierungsfrage.
Die zentrale Frage lautet hier: Was müsste ich heute regelmäßig kultivieren, damit Zukunft überhaupt möglich wird? Also nicht im Sinne tun, sondern im Sinne pflegen.
Beispiele können sein, und verstehe dies nur als Impuls, nicht als Vorgaben oder Ähnliches: Entwicklungsräume statt Kontrolle. Pausen statt Daueranspannung. Widerspruch statt Harmonie. Lernen statt Rechthaben.
Also die zentrale Frage hier: Was müsste ich heute regelmäßig kultivieren, damit Zukunft überhaupt möglich wird?
Und so ein kleines Abschluss-Commitment kann hier auf dieser Ebene sein, für dich innerlich ganz allein: Ein kleines Verhalten, das ich diese Woche öfter zulasse, ist ... Vielleicht suchst du dir einfach nur eins aus. Ein kleines. Und lass dich überraschen, was dann passiert.
Nun, nimm doch mal einen tiefen Atemzug, spüre dabei, wie die Luft durch deine Nase einströmt, dein Bauch sich hebt, und atme dabei wieder durch den Mund aus.
Du hast dir gerade Zeit geschenkt. Sei dankbar zu dir. Lobe dich.
Nun, wir sind auch schon am Ende dieser kleinen Intervention und Reflexion. Und als Schlusssatz möchte ich sagen: Führung beginnt nicht mit Antworten, sondern mit der Fähigkeit, sich selbst zu beobachten, ohne sich dabei zu schonen und auch ohne sich dabei zu verurteilen.
In dem Sinne wünsche ich dir noch einen wundervollen Tag, eine wundervolle Nacht oder auch welche Uhrzeit es jetzt auch immer bei dir ist. Ich wünsche dir einen wunderbaren Jahresausklang, denn wir haben jetzt Ende 25, zumindest was den Zeitpunkt dieser Aufnahme angeht. Komm ganz entspannt und bewusst mit voller Energie, ganz viel Liebe und Zufriedenheit in das neue Jahr. Und ich freue mich drauf, wenn wir uns wieder hören.