Coach Gelaber · Folge 21
Burnout :: Episode 3 ::
Was kannst Du konkret tun, damit es gar nicht erst zum Burnout kommt? Im dritten und letzten Teil der Burnout-Serie stellen Christopher Salmi und Tanja Hilbert vier Präventionsblöcke vor: Rituale und Routinen, Ernährung und Bewegung, Ruhe und Achtsamkeit sowie Unterstützung von außen. Mit alltagstauglichen Mini-Übungen wie 60 Sekunden Stille im Teammeeting oder der Schatzkisten-Übung, Studien zu Bewegung und Vitamin D – und einer klaren Botschaft: Der Kern ist das Dranbleiben. Außerdem erfährst Du, wann ein Coach, ein Arzt oder ein Psychotherapeut die richtige Adresse ist. Teil 1 lieferte Definition und Zahlen, Teil 2 die Symptome.
Das Wichtigste in Kürze
- Prävention steht auf vier Blöcken: Rituale und Routinen, Ernährung und Bewegung, Ruhe und Achtsamkeit sowie Unterstützung, die Du Dir holen kannst – im Zentrum steht das Durchhalten, denn einmalige Aktionen bringen nichts.
- Es muss kein Sport sein: Schon regelmäßige Bewegung wie ein Spaziergang stärkt laut den in der Folge zitierten Studien Selbstwirksamkeit und Resilienz und kann so das Burnout-Risiko verringern.
- Achtsamkeit braucht keine Meditationsdecke: Mini-Impulse von 15 bis 60 Sekunden wirken schon – etwa bewusstes Hören beim Spazierengehen, 60 Sekunden Stille vor dem Teammeeting oder Tanjas Schatzkisten-Übung zum Ankommen.
- Finde heraus, was Dir individuell Kraft gibt – Morgenritual oder Tagesabschluss, Kampfsport oder Malkurs – statt Dich von Mainstream-Geboten wie „Du musst mehr Sport machen“ leiten zu lassen.
- Wenn Symptome bekannt vorkommen, gilt die Empfehlung aus der Folge: Bei drohender Überlastung kann ein Coach helfen, Dich zu sortieren – wenn es darüber hinausgeht, such Dir einen Arzt, und bei allem Weiteren ist der Psychotherapeut die beste Adresse.
Transkript
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Coach Gelaber von und mit Christopher Salmi.
Christopher Salmi: Schönen guten Tag, Merhaba, Selam Aleikum. Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge Coach Gelaber mit mir, Christopher Salmi.
Ja, schön, dass du wieder eingeschaltet hast. Heute geht es weiterhin um das Thema Burnout, beziehungsweise um das Thema Burnout-Prävention. Also: Was wäre vielleicht eine gute Idee für dich, um es überhaupt erstmal zu verhindern, dass es gar nicht so weit kommt, im optimalen Fall.
In der letzten Folge, oder in den letzten Folgen, muss ich schon fast sagen, haben wir darüber gesprochen: Was ist das denn überhaupt? Wie macht sich das bemerkbar? Was sagt die Wissenschaft? Was sagen die Statistiken, et cetera.
Nun, und jetzt steht noch aus, dass wir mal darüber sprechen, was du tun kannst, um es zu verhindern, um es zu merken, vielleicht auch rechtzeitig. Und ja, was du eigentlich tun kannst, wenn es vielleicht Anzeichen gibt, die so aussehen, als würde es an die Tür klopfen.
Ich bin wieder nicht alleine, das ist wunderbar. Ich begrüße erstmal die liebe Tanja. Herzlich willkommen wieder bei mir hier im trauten Studio, liebe Tanja.
Tanja Hilbert: Hallo lieber Chris, gut, wieder hier zu sein.
Christopher Salmi: Das ist schön, dass du wieder da bist. Genau. Und wir machen wie gehabt einfach so einen ganz kleinen, sanften Check-in. Was ist bei dir so in der Zwischenzeit passiert?
Tanja Hilbert: Bei mir ist viel passiert, viel an Veränderungen, viel an Weiterentwicklung. Insbesondere hier gemeinsam mit dir. Es ist mir aber tatsächlich eins besonders in Erinnerung und eins besonders ans Herz gewachsen. Und das ist unser Pilot-Workshop, lieber Chris.
Christopher Salmi: Oh ja. Stimmt. Ja.
Tanja Hilbert: Also, das ist tatsächlich eins meiner Highlights gewesen, seit wir das letzte Mal miteinander gesprochen haben.
Christopher Salmi: Das müssen wir natürlich jetzt sofort auflösen, sonst weiß da draußen kein Mensch irgendwie, wovon wir reden.
Die liebe Tanja und meine Wenigkeit haben einen Ein-Tages-Workshop, also zumindest ist es im Moment ein Tag, konzipiert, rund um das Thema Burnout und Burnout-Prävention. Und wir haben die Gunst der Stunde genutzt, das auch mit einer wahnsinnig tollen Gruppe zu pilotieren, auszuprobieren. Und das war in der Tat ein sehr schöner und auch sehr intensiver Tag.
Tanja Hilbert: Absolut.
Christopher Salmi: Ja, das stimmt.
Tanja Hilbert: Absolut. Und ich kann für mich tatsächlich nach wie vor merken, dass ich da ganz, ganz viel draus mitgenommen habe. Also sowohl an ganz berührenden Erlebnissen und Momenten mit der Gruppe, als auch an eigener Bereicherung im Nachklang für mich selber. Das war tatsächlich, fand ich, ein großartiges Erlebnis.
Christopher Salmi: Ja, ich kann mich da nur anschließen. Also mir ging es zumindest so ein bisschen aufgeregt: Funktioniert das so, ist der rote Faden auch erkennbar?
Wir haben viele Impulse zusammengestellt, ähnlich wie wir das jetzt hier in den Folgen auch versucht haben, so ein bisschen zu machen: Was ist das denn, wo kommt das denn her? Wie merkt man das? Und was sagen eigentlich auch so die Studien rund um Burnout, beziehungsweise auch Achtsamkeit zum Beispiel?
Da war ich natürlich auch total aufgeregt: Kommt das so rüber, ist es verständlich, und so weiter. Und wie wirkt das auch mit den Übungen?
Tanja Hilbert: Und das wollte ich gerade sagen: Sowohl das eine als auch das andere hat mich tatsächlich berührt und beeindruckt. Also, dass es tatsächlich geklappt hat, es gut zu transportieren und zu vermitteln. Das fand ich toll zu sehen. Weil da haben wir ja wirklich lange überlegt: Wie kann man das gut miteinander mischen, wie platziert man das, dass es auch eine Nachhaltigkeit für denjenigen hat, dem wir es vermitteln wollen.
Und das andere, was mich wirklich unglaublich berührt hat, war, die Reaktionen in den Übungen mitzuerleben. Also wir hatten ja im Vorfeld darüber gesprochen: Wie gut kann die Gruppe sich darauf einlassen, wo haben die Leute ihre Arbeitsbereiche, wie ticken die so im Alltag? Aber an der Stelle zu sehen, wie es die Teilnehmer berührt hat und wie sie tatsächlich bereit waren, sich darauf einzulassen und das mitzugehen.
Das hat mich mit den Reaktionen nachher wirklich nachhaltig beeindruckt.
Christopher Salmi: Absolut, ja, ja. Bin da ganz bei dir.
Also das war, vielleicht für dich da draußen als Info, eine Gruppe von 18 Leuten, die in ihrem Berufsalltag einem sehr rationalen, gewissenhaften Job nachgehen. Und deswegen war ich auch doppelt gespannt, genauso wie du: Wie gut kann das wirken, wie offen geht auch jeder ran an solche Übungen, auch in einer großen Gruppe oder dann in den kleinen Gruppen? Es war unterschiedlich, wie wir das gemacht haben.
Und da war ich auch echt beeindruckt, wie gut es geklappt hat und wie offen die damit auch umgegangen sind.
Und für mich gibt es da zwei Highlights, die sofort im Kopf sind. Das eine ist: Wir haben ganz zum Schluss eine Übung gemacht, die sich so im Kosmos der Dankbarkeit bewegt hat. Und da kann ich nur an dich da draußen, an euch da draußen sagen: Wenn dann irgendwann so gestandene Menschen, Frauen und Männer, sich trauen, sich auf den Boden zu legen, sich gemütlich zu machen, das Licht ist abgedunkelt und sie werden begleitet durch eine Meditationsübung – das war schon magisch, einfach dieses Bild von außen zu betrachten. Das fand ich sehr toll und sehr, sehr beeindruckend, wie offen und wie mutig die da auch alle rangegangen sind.
Und das Zweite: was für einen Nachhall das auch hatte. Denn auch danach haben viele für sich ja noch reflektiert – da lag mindestens ein Wochenende dazwischen – dass sie gedanklich da immer noch dran sind. Und auch zwei Wochen später habe ich mit dem einen oder anderen gesprochen, die dann auch sagten: Ich bin immer noch beeindruckt von dem Tag. Und ich habe sogar an der einen oder anderen Stelle gedacht: Huch, Mist, das kommt mir irgendwie bekannt vor. So, als wir über die Symptome gesprochen haben.
Und das fand ich sehr beeindruckend. Also da kriege ich immer noch ein bisschen Gänsehaut.
Tanja Hilbert: Ja, und dazu passt jetzt schön, gerade während du so gesprochen hast, kam mir sofort ein Bild wieder so zurück in die Erinnerung. Dass du teilweise auch an diesem Tag, fand ich, in den Augen sehen konntest: diese Veränderung von Abwarten, für sich selber mal abwägen, inwiefern mag ich mich darauf einlassen.
Also mir ist es in zwei unterschiedlichen Übungen so magisch gegangen, nach den Übungen jeweils dieses Strahlen in den Augen zu sehen. Zu sagen: Ach so, ja klar. Also selber zu spüren, was passiert, wenn man sich darauf einlässt, wenn man sich traut, wenn man mitmacht. Und eigentlich sofort mit diesem Gefühl dazuliegen oder zu sitzen und zu sagen: Ach so, das ist ja großartig.
Also das ist für mich in dieser Begegnung viel mehr noch übrig geblieben als Namen oder als äußere Merkmale. Dass ich immer merke, dass ich noch lächeln muss, auch wenn wir jetzt drüber reden: zu sehen, wie die Menschen so aus den Augen teilweise dann gestrahlt haben.
Also es hat mich persönlich unheimlich bereichert. Es ging ja darum, was war jetzt so auch in der Zwischenzeit für uns. Und das ist tatsächlich was, wo ich immer und immer wieder merke, wenn ich daran zurückdenke: Ich denke, es war ein großartiger Tag, also wirklich, auch für mich.
Christopher Salmi: Ja, absolut. Absolut, da kann ich mich nur anschließen.
Und ich glaube, wir können hier schon mal anteasern: Wir werden dieses Konzept auch anbieten. Und zwar nicht nur in einer Firma, für eine Gruppe innerhalb einer Firma, sondern wir werden auch einen Termin festsetzen, einen Tag finden, einen schönen Raum – haben wir vielleicht sogar schon – wo wir das machen werden. Und dann könnt ihr euch anmelden.
Und wir werden das über unsere Social-Media-Kanäle, über LinkedIn, auf den Webseiten von uns kommunizieren. Also schaut da drauf, folgt auf Instagram und auf LinkedIn. Auf TikTok habe ich jetzt neuerdings auch mal einen Salmi-Coaching-Account aufgemacht. Ist ja der neue Shit, muss man ja schon fast sagen.
Tanja Hilbert: Wir werden auf jeden Fall eine Gelegenheit finden, den Termin zu teilen.
Christopher Salmi: Ja, genau.
Tanja Hilbert: Wir freuen uns jedenfalls schon drauf.
Christopher Salmi: Auf jeden Fall, das wird richtig, richtig gut.
Ja, dann lass uns doch gerne mal auf das Thema Prävention schauen. Ich hatte gerade schon gesagt, wir haben das letzte Mal so ein bisschen darüber gesprochen, und da sind wir ja nochmal die drei Blöcke durchgegangen im Sinne der Symptome: was Körperliches, Emotionales und auch Kognitives angeht. Und da die Empfehlung an dich da draußen, an euch alle: Hört da auch gerne nochmal rein, geht da nochmal in Resonanz, welche Symptome dort vorherrschend sind.
Denn heute geht es grundsätzlich erstmal darum: Was kannst du tun, um vorzubeugen? Und um vielleicht auch einen guten Connect zwischen dem Kopf und dem Körper wiederherzustellen. Viele haben dort ja irgendwie so einen kleinen Abriss. Zumindest sehe ich das im Business-Alltag relativ häufig. So, und wir werden auch nochmal kurz darüber sprechen: Was tue ich jetzt eigentlich, wenn ich so kurz davor stehe?
Wir haben für dich da draußen vier Blöcke aufgemacht, über die wir sprechen wollen. Ich würde die einmal sagen, und dann würde ich sagen, starten wir einfach mal mit dem ersten.
Und ich werde, wenn die Podcast-Folge veröffentlicht ist, auch mal ein Bild mit diesen vier Blöcken dazupacken. Das findest du dann auf der Webseite, LinkedIn, Instagram, da, wo der Podcast auch zu finden ist. Also bei Spotify oder bei Apple Podcasts wird es jetzt nicht sichtbar sein, deswegen musst du dann schon nochmal auf der Webseite vorbeischauen. Aber damit du auch diese Blöcke nochmal siehst, das ist dann vielleicht auch ein bisschen einfacher zu folgen.
Über welche Blöcke geht es? Es geht einmal um Rituale und Routinen, die du üben, anwenden kannst. Es geht um Unterstützung, die du dir holen kannst. Darüber werden wir kurz sprechen. Über das Thema Ruhe und Achtsamkeit. Auch darüber werden wir sprechen. Und Ernährung und Bewegung. Genau, über den Kern – das nehmen wir einfach zum Abrunden – komme ich dann auch gleich nochmal drauf.
Mit was wollen wir anfangen, liebe Tanja?
Tanja Hilbert: Du, vielleicht lass uns doch mit Ritualen und Routinen anfangen.
Christopher Salmi: Sehr gerne.
Tanja Hilbert: Das dockt für mich ein bisschen jetzt so an unserem Check-in an. Weil wir haben gerade von unserem Workshop berichtet, den wir gemacht haben, und von dieser Dankbarkeitsmeditation hast du an der Stelle kurz gesprochen. Und ich würde das insofern gerne da nochmal aufgreifen und ergänzen, wie wichtig Rituale und Routinen sein können.
Weil ich es tatsächlich aus diversen Coaching-Gesprächen aus den letzten Jahren kenne und immer wieder festgestellt habe, dass es durchaus sehr, sehr hilfreich sein kann, sich selber eine Routine in den Tag zu integrieren.
Also wir haben es über eine Art Dankbarkeitsmeditation damals in der Gruppe gemacht. Da war, wie wir gerade schon gesagt haben, berührend und interessant zu sehen, wie sehr das die Leute unterstützt und gestärkt hat, was das Feedback gewesen ist, was sie dabei wahrgenommen haben.
Ich habe in der Vergangenheit in den Coaching-Gesprächen häufig mit einer Art Körperreise, oder sehr verwandt der Körperreise, mit den Klienten gearbeitet, um eine solche Kurzmeditation zu etablieren und möglicherweise in den Alltag transportabel zu machen. Und da ist meine Wahrnehmung sehr ähnlich zu dem Feedback meiner Klienten gewesen.
Beispielsweise eine Art Körperreise, eine Art Dankbarkeitsmeditation – da, glaube ich, ist es für jeden nochmal einen Tacken unterschiedlich, was einem gut tut und wo der eigene Fokus drauf liegt. Aber zu sagen: Es kann hilfreich sein, das in den Tag zu integrieren.
Manchem tut es, glaube ich, gut, mit sowas in den Tag zu starten. Da wären wir so ein bisschen auch bei dem Fokus zu sagen: Es ist für mich und für meine Kraft für den Tag gut, mit einem Ritual am Morgen beispielsweise zu starten. Das bringt mir Ruhe und Routine in meine Tagesabläufe.
Oder aber, wem das möglicherweise wohltuender ist oder wo es besser passt, zu sagen: Ich integriere sowas für mich als Tagesabschluss. Ich gucke nochmal auf den Tag zurück, ich habe eine Chance zu gucken, wo stehe ich gerade, wie fühle ich mich, bin ich für irgendwas besonders dankbar.
Ich glaube, dass solche Routinen gut sein können, weil sie dem Tag helfen, eine Struktur zu geben. Und weil solche Routinen, glaube ich, auch Tagesabläufe gut einrahmen können.
Christopher Salmi: Total, ja.
Tanja Hilbert: Also das glaube ich tatsächlich, dass das eine hilfreiche erste Prävention ist, die jeder für sich durchführen kann und die durchaus sehr, sehr stärkend und unterstützend sein kann.
Christopher Salmi: Ja. Ich würde da eins ergänzen und das direkt auch benutzen für den nächsten Block, der sich bei uns Ernährung und Bewegung nennt.
Ich kenne zum Beispiel aus der Zen-Meditation – na, wie würde ich das nennen wollen, also es ist am Ende des Tages auch eine Meditationsübung – wo du dich mal nur darauf konzentrierst, was du zum Beispiel spürst, wenn du spazieren gehst. Und zwar unter deinen Füßen.
Ist perfekt für Barfußschuhträger. Also ich trage ausschließlich Barfußschuhe, und wenn ich dann spazieren gehe, nutze ich das manchmal als Moment, dass ich gehe und versuche, wirklich nur zu spüren: Was merke ich da eigentlich unter meinem Fuß?
Das kann man auch barfuß machen, auf einer Wiese, mit Socken, was der Geier. Also man muss jetzt nicht zwingend Barfußschuhträger werden. Aber sich mal wirklich nur darauf zu konzentrieren, und zwar ohne zu bewerten, sondern einfach nur neugierig hinzuschauen: Was spüre ich denn da? Und an welcher Stelle drückt es denn am Fuß gerade? Oder wie ändert das meinen Lauf? Gehe ich immer noch gerade? Kann ich gut auftreten? Ach, guck mal, da hinten an der Ferse hat es ein bisschen gedrückt. Fühlt sich das gut an, fühlt sich das nicht gut an, ist das ungewohnt?
Und zwar wirklich, ohne in diese Falle zu tappen, dieses Kopfkinos, das dann mal losgeht und einen so wegfliegen lässt.
Und das gibt es auch mit Hören, kann ich auch nur empfehlen, mache ich super gerne. Kann man auch draußen in der Natur hervorragend machen, bei einem Spaziergang, wenn man auf einer Bank sitzt oder was der Geier. Einfach nur mal sich darauf zu konzentrieren: Was höre ich jetzt? Und zwar ohne zu bewerten – naja, das ist der Vogel, das ist der Bauarbeiter – sondern einfach nur: Was sind da für Geräusche?
Und das Spannende, was ich bei mir beobachtet habe, ist, dass ich dann anfange zu versuchen, noch deutlicher zu hören. Ist da noch was, was ich noch nicht höre? Kann ich Geräusche noch weiter auseinandernehmen und sie separieren, ohne jetzt herausfinden zu wollen, was das ist? Das ist auch total spannend.
Und das brauchst du auch nicht lange machen. Wenn du das mal 30 bis 60 Sekunden machst, hat das schon einen total tollen Effekt.
Tanja Hilbert: Das hat wirklich einen unglaublichen Effekt.
Christopher Salmi: Genau. Ich nehme das mal mit in dieses Thema Ernährung und Bewegung.
Tanja Hilbert: Ja, gerne.
Christopher Salmi: Und ich habe gerade schon gesagt, dass das für mich ein guter Übergang ist. Weil gerade beim Spazierengehen, beim Rausgehen kommt es ja dazu, dass wir rausgehen aus dem Kontext, in dem wir normalerweise sind. Wir benutzen unseren Körper wieder mehr. Und wir merken auf jeden Fall, wenn wir mal vier Kilometer spazieren gegangen sind, dass auf einmal die Oberschenkel wieder ein bisschen warm werden. Da kommt mal wieder richtig Blut rein.
Und ich habe mal zwei Studien einfach mitgebracht, die den positiven Einfluss von Bewegung und Sport auf die Prävention von Burnout untersucht haben. Nur damit du daraus auch nochmal verstehst: Es ist jetzt nicht nur bla bla, geh mal raus in die Natur, weil es da so schön ist. Sondern es hat auch einen sehr positiven Effekt auf unsere geistige Gesundheit.
Es gab eine Studie aus diesem Jahr, veröffentlicht in Frontiers in Psychology, und dort untersuchte man den Zusammenhang zwischen körperlicher Betätigung und akademischem Burnout bei College-Studenten. Und die Ergebnisse zeigten, dass körperliche Aktivität sowohl direkt als auch indirekt, durch die Vermittlung von Selbstwirksamkeit und Resilienz, einen hilfreichen Einfluss auf akademischen Burnout hat. Also im Sinne der Prävention.
Das bedeutet also, dass regelmäßige körperliche Betätigung dazu beitragen kann, das Risiko von Burnout zu verringern, indem sie das Selbstvertrauen und die Widerstandsfähigkeit der Studierenden stärkt.
So, und das ist natürlich total spannend. Und deswegen fand ich das auch gut, dass in dieser Studie gar nicht davon gesprochen wurde: Du musst jetzt Kampfsport machen, oder du musst jetzt schwimmen gehen. Sondern: Wenn du für dich eine sportliche Aktivität, eine Bewegungslogik gefunden hast, dann hilft dir das, das Burnout-Risiko zu verringern. Dadurch, dass du mehr in die Selbstwirksamkeit und auch, aus meiner Sicht, ins Selbstgefühl kommst. Weil du spürst mal deinen Körper.
Tanja Hilbert: Ja, und was ich vielleicht noch so als Ergänzung, jetzt, wo ich dir so zuhöre, anfügen würde, auch nochmal die Differenzierung: dass das nicht zwingend Sport sein muss, sondern dass wir tatsächlich von Bewegung sprechen. Also von Spazierengehen, von sich vielleicht mal dehnen, stretchen. Also dass es nicht zwingend was damit zu tun haben muss, dass man sich in einem Sportkurs anmelden muss, sondern dass es die Bewegung an der frischen Luft sein kann. Der Spaziergang durch den Wald, mal bis zur Eisdiele, schlicht und ergreifend in Bewegung zu kommen.
Und das könnte ich mir tatsächlich vorstellen, ist für den einen oder anderen auch nochmal eine Veränderung, beziehungsweise das Verlieren einer Hemmschwelle: zu sagen, ich möchte mich aber nicht in der Sportgruppe anmelden müssen, sondern tatsächlich dieses In-Bewegung-Kommen.
Christopher Salmi: Genau, ganz genau. Und es ist auch ein wunderbares Mittel, um auch sowas wie Coaching-Sitzungen, Therapiesitzungen et cetera einfach mal wirken zu lassen. Das ist hervorragend dafür.
Ich habe noch eine zweite Studie, aus Current Psychology. Und zwar wurde dort untersucht, wie körperliche Fitness und Bewegung Burnout bei Grundschülern beeinflussen. Und die Studie fand heraus, dass höhere körperliche Fitness mit geringeren Burnout-Symptomen verbunden ist. Und hat als Fazit dann geschrieben: Das deutet darauf hin, dass Kinder, die regelmäßig körperlich aktiv sind, weniger anfällig für Burnout-Symptome sind. Die Forscher betonten die Bedeutung von regelmäßiger körperlicher Aktivität zur Verbesserung der psychischen Gesundheit und zur Reduzierung von Stress und Burnout bei jungen Schülern.
Das sind jetzt zwei Studien, die sehr auf akademischen Burnout geschaut haben. Aber da lass dir da draußen sagen: Das unterscheidet sich aus meiner Sicht null von dem Burnout-Risiko von Menschen, die im Business unterwegs sind oder die familiäre, schwierige Erlebnisse hatten oder andere Impulse hatten. Da mag die gesellschaftliche Weltsituation vielleicht auch noch eine Rolle spielen. Das kann ja durchaus auch mal überfrachtet sein, gerade wenn du irgendwie betroffen bist von verschiedensten Konflikten, die wir da ja gerade haben.
Tanja Hilbert: Da würde ich vielleicht als kleine spontane Ergänzung beisteuern, weil das jetzt gerade für mich gefühlt an der Stelle sehr, sehr gut passt: Ich habe, wie du weißt, zwei Kinder im jugendlichen Alter, die beide, glaube ich, gut mit ihren Schultätigkeiten eingespannt sind und zeitgleich beide sehr sportlich sind.
Und was du jetzt gerade über diese Untersuchung vorgetragen hast, ist das, und deshalb finde ich es gerade jetzt so schön, das vielleicht mit einfließen zu lassen, was ich bei uns aus dem Alltag kenne: dass tatsächlich die Kinder, die dieses ganze Thema Burnout, Burnout-Prävention, wissenschaftliche Untersuchungen, Tools und Techniken alles gar nicht kennen, von denen ich tatsächlich ganz häufig das Feedback so nach dem Sport kriege, wenn die von ihren Sporttrainings wiederkommen, zu sagen: Das hat jetzt irgendwie gut getan. Ich fühle mich irgendwie total sortiert und mal befreit, und jetzt habe ich das Gefühl, mein Kopf ist frei, und ich bin vom Sport ausgepowert, jetzt freue ich mich auf was zu essen und dann irgendwann auf mein Bett.
Und wo du das jetzt gerade vorliest: Das ist, glaube ich, das, was bei uns zu Hause, zumindest im Alltag, ganz oft passiert. Dieses persönliche Empfinden, auch gerade bei Kids oder bei Jugendlichen, zu sagen: Ich fühle mich wie einmal so durchgepustet oder so durchgewindet und neu sortiert. Und jetzt habe ich das Gefühl, ich kann gut zur Ruhe kommen und dann auch ins Bett gehen oder mich wieder auf andere Dinge konzentrieren.
Hatte ich jetzt gerade tatsächlich so als ersten Impuls, zu sagen: Das kenne ich aus dem Alltag.
Christopher Salmi: Ja, ich kann da total mitgehen. Also selbst wenn ich da bei mir gucke: Ich mache jetzt seit vielen Jahren Kampfsport. Und da beobachte ich bei mir selber immer wieder den Effekt, dass durch dieses konzentrierte Für-sich-Üben auf der einen Seite und auch das sehr explosive Trainieren mit anderen gemeinsam alles um mich herum so weit wegrutscht, dass ich, wenn ich dann da rausgehe, total in mir ruhend wiederkomme.
So, und es muss nicht, und das würde ich auch nochmal ergänzen, weil das kenne ich nämlich von mir auch, es muss nicht immer der extreme Sport sein. Weil wenn ich zum Beispiel arbeite, verbissen an irgendeiner Präsentation sitze, oder aus einem Termin komme, der vielleicht nicht so lief, wie ich mir das vorgestellt habe, oder aus einem Coaching, das sehr emotional war, was auch ich erstmal verarbeiten muss: Dann gehe ich auch einfach mal raus, sperre den Rechner und nehme mir jetzt verdammt nochmal einfach 30 Minuten, wo ich mal nichts mache und einfach nur rausgehe in die frische Luft. Völlig wurscht, was für ein Wetter ist.
Und der Effekt, der dann kommt, und neurologisch könnte man das auch wunderbar auseinandernehmen, warum das so ist, führt dann dazu, dass ich auf neue Ideen komme, dass sich mein Emotionszentrum reguliert, ich viel entspannter wiederkomme.
Und gerade auch dieses: Wenn wir verbissen versuchen, irgendwie einen anderen Ansatz zu finden oder eine Idee, wissen wir eigentlich alle, die Idee wird dann nicht kommen. Sie kommt, wenn wir unter der Dusche stehen, wenn wir beim Kochen sind, wenn wir draußen gerade was ganz anderes machen. Und diesen Effekt kann man sich zunutze machen, und der hat auf jeden Fall auch einen immensen Einfluss auf das Thema körperliche beziehungsweise geistige Gesundheit.
So. Ganz kurz nochmal zum Thema Ernährung. Ein total breites Feld. Können wir hier gar nicht abdecken. Ich habe auch wirklich nur mal zwei Dinge aufgegriffen. Und das ist das Thema Vitamine. Und auch da kann man nicht alles erzählen, weil das auch da so breit ist.
Ich habe mir gedacht, gerade weil ich damit gute Erfahrungen mache, lohnt es sich auf jeden Fall, sich mal damit zu beschäftigen, wie es einem selber und dem eigenen Immunsystem helfen kann, wenn man etwas genauer mal auf das Thema Vitamine schaut.
Wir zu Hause pflegen da, würde ich sagen, zumindest bei manchen Vitaminen einen sehr intensiven Blick drauf, was so Vitamin C angeht, Vitamin D, Omega 3, Magnesium und die ein oder anderen noch. Und ich habe mal zwei Dinge rausgesucht, zum Thema Vitamin D und Vitamin C. Und das wirklich nur an dich da draußen als Inspiration. Nicht als: Das musst du jetzt genauso machen. Sondern als Inspiration, vielleicht da mal zu gucken, ob das helfen kann.
Denn es gab zwei neuere Studien, die potenzielle Vorteile einer Vitaminsupplementierung, insbesondere von Vitamin D, untersucht haben. Und zwar eben im Sinne der Vorbeugung von Burnout und der Verbesserung der allgemeinen psychischen Gesundheit.
Da gab es zu Vitamin D und Stress eine in der Clinical Nutrition veröffentlichte Studie, auch aus diesem Jahr, und die untersuchte, wie sich der Vitamin-D-Spiegel auf die psychische Gesundheit, einschließlich Stress und Burnout, auswirkt. Und die Studie ergab, dass Personen mit einem ausreichenden Vitamin-D-Spiegel weniger Stress- und Burnout-Symptome aufwiesen wie Personen mit einem Mangel an Vitamin D.
Und diese Forschungsergebnisse deuten eben darauf hin, dass eine Vitamin-D-Supplementierung ein einfaches und wirksames Mittel sein kann, um psychisches Wohlbefinden steigern oder aufrechterhalten zu können, wie auch immer. Insbesondere in Bevölkerungsgruppen, die zu hohem Stress neigen.
Da kann man sich mit beschäftigen. Ich will jetzt gar keine Werbung machen für irgendwelche Shops und Gedöns, aber es lohnt sich auf jeden Fall, mal da zu gucken, wie man den auch selber zu Hause messen kann. Da gibt es nämlich auch Unterschiede, alte Werte, aktuelle Forschungswerte. Da kann man auch zu Hause seinen Vitamin-D-Spiegel testen, um auch mal eine Referenz zu haben zu den Standardlaboren eines Allgemeinmediziners. Weil dann geht einem unter Umständen auch mal schnell ein Licht auf. Das war zumindest bei mir so.
Zu Vitamin C habe ich nochmal versucht, ein bisschen zu recherchieren, weil das auch ein Vitamin ist, womit wir auch sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Tatsächlich nicht nur im Sinne der Abwehr gegen sowas wie Erkältungskrankheiten, sondern auch im grundsätzlichen Wohlbefinden.
Tanja Hilbert: Im grundsätzlichen Wohlbefinden.
Christopher Salmi: Genau. Da gab es nämlich auch eine Studie, auch aus diesem Jahr, im BMC Public Health. Und dort wurde untersucht, wie die Auswirkungen einer Supplementierung von Vitamin D, C und Zink auf den Immunstatus und die psychische Gesundheit jordanischer Erwachsener während der Covid-19-Pandemie waren.
In der Studie wurde ein signifikanter Zusammenhang zwischen einer regelmäßigen Vitamin-D-Ergänzung und einer verbesserten Immunfunktion festgestellt, die indirekt die psychische Gesundheit unterstützt, indem sie die physische Stressbelastung des Körpers verringert.
Die Teilnehmer, die regelmäßig Vitamin-D-Präparate einnahmen, wiesen bessere Immunwerte auf und berichteten über ein geringeres Maß an Stress und Burnout im Vergleich zu denjenigen, die keine Präparate einnahmen. Und klar, das deutet natürlich darauf hin, dass – und so weiter.
So. Also da kann ich nur empfehlen, sich einfach damit mal zu beschäftigen. Genau, da gibt es viele Ärzte, die das auch gut auseinandernehmen. Da recherchiert einfach mal. Und wenn ihr dazu Fragen habt, kann ich gerne auch mal aus der privaten Tasche berichten, dann gerne einfach melden.
So. Ruhe und Achtsamkeit.
Tanja Hilbert: Ruhe und Achtsamkeit, genau. Das wäre noch unsere nächste Säule, die wir mal versucht haben, ein bisschen zu beleuchten, und die uns wichtig war, mit aufzugreifen.
Und ich habe jetzt gerade schon, als wir über Ernährung und Bewegung gesprochen haben, gedacht: Interessant, wie sich das letztendlich eigentlich so wechselseitig spiegelt oder wie es doch zusammenhängt.
Weil das, was du jetzt gerade von deinem Kampfsporttraining berichtet hast, kenne ich in einem ähnlichen Maße, und da wären wir für mich jetzt im Gegenpol, zum Beispiel der Ruhe und Achtsamkeit, aus meinen kreativen Kursen. Also ich bin jetzt seit einiger Zeit sowohl in einem Malkurs unterwegs als auch zurzeit in einem Bildhauer-Workshop.
Und da stelle ich für mich tatsächlich fest: diese Ruhe, Konzentration, Achtsamkeit auf diese eine handwerkliche Tätigkeit. Wie sehr mich das häufig stärkt, beruhigt, regeneriert, und wie erholsam ich das für mich selber empfinde.
Und ich glaube, dass es ganz, ganz viele Menschen gibt und ganz, ganz viele Möglichkeiten in der Kombination, zu gucken: Wo liegt meine persönliche Quelle, Kraft zu ziehen? Also gibt es was, wo ich mich in der Achtsamkeit mal auf eins konzentriere? Sei es jetzt auf eine künstlerische Tätigkeit. Sei es, da bin ich wieder bei unserem Workshop, den wir eben schon mal angesprochen haben, an dem Punkt zu sagen: Ich konzentriere mich auf das Essen, ich konzentriere mich auf das Hören.
Also tatsächlich für sich selber mal zu gucken: Wo finde ich für mich Ansätze, mal besonders achtsam zu sein? Ist es tatsächlich das Hören auf meine Umgebung, während ich spazieren gehe? Ist es das Fokussieren auf eine sportliche Tätigkeit, auf Bewegung? Ist es das ganz bewusste Mir-Ruhe-Gönnen? Um da zu gucken: Was tut mir gut?
Also es ist mir in den letzten Jahren so bewusst geworden: Das, was Menschen stärkt oder was Menschen gut unterstützen kann, ist so unglaublich individuell. Und da tatsächlich mal zu gucken: Was passiert, wenn ich Obst esse? Was passiert, wenn ich was Herzhaftes esse? Was sind es für Geschmäcker, die ich wahrnehmen kann? Was merke ich in dem Moment, wenn ich es runterschlucke? Was empfinde ich da an Genuss bei?
Oder halt eben, wenn man wieder mehr in das Ruhethema geht, zu sagen: Was tut mir gut, wenn ich mal zur Ruhe komme?
Und sich da tatsächlich, das wäre meine Bitte, die mir persönlich am Herzen liegt, halt eben auch nicht lenken und leiten zu lassen von so Mainstream-Themen, zu sagen: Du musst mehr Sport machen, oder du musst dies oder du musst das. Sondern tatsächlich sich mal die Ruhe zu nehmen, in sich reinzuhören und es über so kleine Etappen einfach mal für sich selber auszuprobieren.
Und ob es dann die Achtsamkeit auf einen bestimmten Moment ist, ob es das Ruhefinden in einem neuen Hobby ist: Aber da mal ein bisschen den Fokus drauf zu richten und ein Gespür dafür zu entwickeln, was gibt mir selber Kraft.
Das, glaube ich, ist neben diesen anderen Optionen tatsächlich eine große, große Chance. Man denkt im Alltag, glaube ich, oft: Ah, da habe ich keine Zeit für. Und auch: Ich weiß gar nicht richtig, was mir gut tut. Aber ich glaube tatsächlich, dass man über so kleine Etappen durchaus ganz gut ein Gefühl dafür entwickeln kann.
Christopher Salmi: Absolut. Da kann ich auch nur nochmal Werbung machen für unseren schönen Workshop, den wir anbieten werden. Weil wir dort für alle Teilnehmer auch nochmal aus der wissenschaftlichen Perspektive gucken: Was hat Achtsamkeit eigentlich für einen Effekt? Weil viele sprechen ja über Achtsamkeit. Aber da wirklich mal hineinzuleuchten: Was heißt denn das eigentlich für unser Hirn und für unseren Körper? Und in welchen Momenten findet das eigentlich schon statt?
Weil das finde ich ganz schön, was du sagst: Es ist eben nicht immer nur, und da könnte ich mir zumindest vorstellen, dass viele das Bild haben, du setzt dich auf eine Decke und meditierst.
Tanja Hilbert: Nee, genau.
Christopher Salmi: Sondern Achtsamkeit steckt in der Tat in ganz vielen Dingen.
Tanja Hilbert: In den Kleinigkeiten des Alltags.
Christopher Salmi: Absolut, genau.
Tanja Hilbert: Und ich kann für mich selber wirklich immer wieder nur sagen, dass ich ganz lange für mich auch das Gefühl hatte, oder so die Befürchtung eigentlich eine ganze Zeit hatte: Ach, das ist alles so ein großer Aufwand, das braucht so viel Zeit, das rauszukriegen. Wie soll ich das eigentlich rauskriegen? Was muss ich denn dafür jetzt wochen- und monatelang ausprobieren, um zu merken, macht mir das Spaß oder nicht? Und tut mir das gut oder nicht?
Aber ich bin tatsächlich für mich zu der Überzeugung gekommen: Es sind vielfach die Kleinigkeiten. Also das war tatsächlich eins dieser Aha-Erlebnisse, auch mit der Gruppe zu arbeiten und festzustellen: Es gibt so Mini-Impulse, und die tun was, die lösen sofort was aus. Da kann dann jeder für sich selber gucken, was genau machen sie mit mir. Aber es sind häufig so – naja, ich würde nicht sagen Sekundenimpulse, aber es sind so Minutenimpulse.
Und das fand ich tatsächlich für mich persönlich, aber auch wiederum jetzt in der Arbeit mit anderen, eine ganz, ganz bereichernde Erfahrung.
Christopher Salmi: Ja. Das gibt mir gerade eine schöne Brücke hin zu diesem Thema Unterstützung, durch zum Beispiel Coaching oder Ähnliches.
Denn was du jetzt gesagt hast bezüglich dieses gefühlten Zeitinvests: Wenn ein Klient bei mir ist und wir versucht haben, zum Beispiel eine emotionale Blockade zu lösen, die dann gelöst ist, ist es eben sehr elementar, an dem Transfer, an der Nachhaltigkeit weiter ein bisschen zu arbeiten.
Und was Klienten da von mir bekommen, ist zum Beispiel so eine kleine Mikro-Transferaufgabe: dass sie sich dreimal am Tag 15 Sekunden lang Zeit nehmen, etwas Bestimmtes zu tun, was sie für sich ganz alleine machen können. Was keiner sieht, was keiner hört, wo sie einfach für sich gerade sind.
Und wenn man mal überlegt, wie viele Sekunden ein Tag hat, und wir zwacken da 45 ab: Ich finde, das ist ein sehr machbarer Zeitaufwand, um sich selber was Gutes zu tun.
Und vielleicht als Praxisbeispiel auch im Business-Kontext: Ich habe mit einem Team irgendwann angefangen, unser Teammeeting regelmäßig mit 60 Sekunden Stille zu starten.
Weil, kennen wir alle: Du hast einen Termin, der steht an. Im Zweifel ist auch schon eine Agenda da, alles da, du hast da selber gar keinen Anteil. Zehn Leute rennen in diesen Besprechungsraum rein, sind ja auch alle unter Zeitdruck, ne, müssen schnell loslegen, wollen ja nichts verschwenden. Dann geht es los, Präsentation läuft und so weiter. Und alle sind so in innerlicher Hektik, in innerlichem Stress.
So, dann kommen noch ein paar andere Effekte, die kann man eigentlich auch vermeiden, aber bleiben wir mal nur bei diesem: Da ist gar keine Zeit zum Ankommen. Und deswegen haben wir gesagt, das wollen wir anders machen. Und zwar durch ein Erlebnis.
Wir sind ins Teammeeting gegangen, und dann kam ein damaliges Teammitglied rein und hat sich noch aufgeregt, aus dem letzten Termin, und: Das kann doch nicht sein, und: Ich bin so genervt. Brachte da seine ganze Emotion mit in diese Gruppe rein. Und das konnte die Gruppe aushalten, und der hätte sich auch, wie sagt man, regulieren müssen. Und dann wären wir losgelegt, weil das professionelle Verhalten kommt runter, wir müssen weitermachen.
Das haben wir aber zum Anlass genommen, zu sagen: Pass mal auf, lass uns das doch kurz gemeinsam runterfahren. Ich habe ja mal eine kleine Klangschale dabei. Und dann habe ich sie rausgeholt und habe gesagt: Pass mal auf, lass uns das doch mal benutzen, für ein kleines Experiment.
Es waren damals sieben Teammitglieder, war noch ein relativ kleines Team. Und dann habe ich sie gefragt: Wollen wir nicht ein Experiment starten, für die nächsten drei, vier Teammeetings? Wir starten einfach immer mit 60 Sekunden Stille. Jeder für sich.
Tanja Hilbert: Und die Wirkung ist vermutlich faszinierend gewesen.
Christopher Salmi: Der, der am Anfang der Zeit, als ich das Team übernommen hatte, am meisten mit den Augen gerollt hat, wenn ich das Wort Achtsamkeit in den Mund genommen habe, der hat dann gesagt: Boah, war das hilfreich. Und dann konnten wir auch ganz entspannt unser Teammeeting starten, genau.
Tanja Hilbert: Ich kenne da tatsächlich ein ähnliches Beispiel, was ich auch mit dem einen oder anderen Klienten in Eins-zu-eins-Coachings nutze, um gut anfangen zu können. Und auch das wäre zeitlich variabel: zu sagen, wir machen eine Ruhe zum Ankommen, die uns in die Möglichkeit bringt zu gucken, was ist da im Moment alles in mir, was gesehen und gesichert werden will, was mich aber für das Coaching-Gespräch möglicherweise blockiert.
Und da mache ich immer schon mal wieder so eine Übung mit Klienten, zu sagen: Okay, wir nehmen uns jetzt mal eine Minute Zeit, uns vorzustellen, wir hätten so eine portable Schatzkiste dabei, in die wir ganz in Ruhe, bevor wir das Gespräch starten, diese Dinge einsortieren. Wo sie gesichert liegen, wo sie nicht verloren gehen können.
Und dann machen wir für die Dauer des Coaching-Gesprächs diesen Schatzkistendeckel zu. Wir gucken nur auf das, was jetzt im Moment für das Gespräch hilfreich und notwendig ist.
Und bevor wir uns verabschieden, bevor jeder wieder in seinen Alltag zurückgeht, machen wir diesen Deckel von der Schatzkiste wieder auf und nehmen die Alltagsdinge raus, die auch noch da sind, die jetzt gesichert über die Zeit des Gesprächs da gut geschützt liegen bleiben konnten.
Und die Wirkung würde ich jetzt so ähnlich beschreiben: dass ich ganz oft den Eindruck habe, es bietet eine Chance anzukommen und sich gleichzeitig achtsam auf das zu konzentrieren, was es jetzt braucht. Ohne dass diese ganzen, ich sag jetzt mal, hektischen Alltagsthemen, die auch noch alle da sind und die auch alle ihre Beachtung wollen, in der Zeit da so zwischenwirbeln.
Und das sind, glaube ich, genau diese Dinge, die wir eben so versucht haben zu erläutern.
Christopher Salmi: Absolut.
Tanja Hilbert: Die sind ganz, ganz hilfreich, achtsam in den Moment zu kommen, achtsam auf das zu gucken, was ist da tatsächlich alles schon, was braucht es gerade. Aber das sind jetzt, finde ich, zwei gute Beispiele, zu sagen: Es sind nicht immer die ganz großen Dinge. Sondern es sind tatsächlich häufig kleine Momentaufnahmen des Bewusstseins, des Sich-sortieren-Könnens, die dann so hilfreich sein können oder die so unterstützend sind.
Christopher Salmi: Absolut, ja, ja, ganz genau.
Genau. Eine Unterstützung, haben wir gerade schon gesagt, kann eben ein Coaching sein. Ich möchte trotzdem auch nochmal erwähnt haben, weil ich es mir auch mal aufgeschrieben hatte: Auch die Homöopathie ist, finde ich, ein schönes ergänzendes Element, oder kann ein schönes ergänzendes Element sein.
Da muss ich aber auch dazu sagen, ist meine Erfahrung, es ist nicht einfach, einen guten Homöopathen zu finden. Also wenn du da draußen mal einen suchen solltest, um auch eine ergänzende alternative Behandlungsmöglichkeit für Verschiedenstes zu finden, dann empfehle ich, da auf jeden Fall darauf zu achten, dass ein Diplom da ist und dass es um die klassische Homöopathie geht, die sich dann eher auf Hahnemann bezieht wie auf manche andere Abwandlungen oder Ähnliches. Da haben wir zumindest die beste Erfahrung mitgemacht.
Und am Ende ist es dann auch das Gefühl: Vertraue ich dem Menschen, habe ich da ein gutes Gefühl, fühle ich mich da gut aufgehoben? Ich bin nicht einer derjenigen, der sagt, du musst da dran glauben, damit es wirkt. Das finde ich großen Bullshit, muss ich ganz ehrlich sagen. Aber wohlfühlen muss man sich in der Hand, in die man sich begibt.
Tanja Hilbert: Dem eigenen Bauchgefühl vertrauen.
Christopher Salmi: Absolut. Die Intuition sitzt in einem hochintelligenten Bereich unseres Hirns, der sollte man durchaus mal Beachtung schenken.
Gut. Ich würde sagen, um diese vier Blöcke mal abzuschließen: Bei all dem, was wir jetzt gesagt haben, gibt es einen wesentlichen Kern, der in der Mitte steht. Und das ist: durchhalten.
Es bringt gar nichts, nur einmal im Jahr sich 15 Sekunden Zeit zu nehmen, oder 60, oder einen Spaziergang zu machen, oder wie auch immer, um die Gefahr von zu viel Stress und Burnout, einer Überdosierung von stetigem Cortisol im Körper et cetera pp zu verhindern. Das bringt leider nichts.
Es ist leider das Durchhalten. So wie mit jeder Sportübung, so wie mit jeder Lernübung: Ob du ein Instrument lernen möchtest, eine Sportart, Malen, Kunst, irgendwas, egal was. Du musst es häufiger machen.
Tanja Hilbert: Genau, es braucht Regelmäßigkeit und Ausdauer.
Christopher Salmi: Es braucht Regelmäßigkeit, ganz genau. Und da sind wir schon wieder bei den Ritualen, also da schließt sich dann am Ende immer wieder der Kreis: Du musst daraus ein Ritual machen.
Was nicht heißt, du musst es dein Leben lang machen. Weil vielleicht entdeckst du für dich etwas, was viel besser wirkt, dir viel besser hilft oder dir viel mehr gut tut. Aber du musst es machen. Es führt kein Weg dran vorbei. Machen ist das Kernelement, und durchhalten.
Und da kann ein guter Coach unterstützen, da kann ein guter Freund unterstützen, da kann der Ehepartner unterstützen, da können die Kinder unterstützen. Also da gibt es ganz viele Hilfsmittel sicherlich, die man wahrnehmen kann, wenn man möchte. Es bietet sich auf jeden Fall an, und die Empfehlung ist unsererseits auf jeden Fall da.
Zum Abschluss würde ich sagen, nochmal ganz kurz: Wenn du jetzt das Gefühl hast, vor allen Dingen auch nach diesen Folgen, oder du hast dich vielleicht auch in einem anderen Kontext nochmal mit den Symptomen beschäftigt oder bist nochmal in Resonanz gegangen und hast gemerkt: Uh, ich glaube, da klopft schon etwas an die Tür. Dann ist unsere Empfehlung dort – also ich würde mal formulieren, und du, Tanja, kannst ja mal gucken, ob ich es gut formuliert habe, und ergänze einfach wie gehabt.
Meine Perspektive ist: Wenn du da draußen merkst, dass der Burnout da droht, an die Tür zu klopfen, weil vielleicht Symptome dir doch irgendwie bekannt vorkommen. Oder bestimmte Muster, in die du fällst, dir zeigen: So will ich eigentlich gar nicht sein, aber es passiert trotzdem. Und vor allen Dingen in hohen Stressmomenten. Dann ist meine Empfehlung: Such dir unbedingt einen Coach. Nimm es wahr. Das kann helfen.
Wir müssen nicht alles alleine schaffen, wir können auch gar nicht alles alleine schaffen. Wir brauchen manchmal einfach eine gute Resonanzfläche oder jemanden, der uns hilft, uns ein bisschen zu sortieren. Mit einer Struktur, mit einem Raum, mit einer kleinen Kiste, um mal Dinge beiseitelegen zu lassen. Da kann man noch echt viel tun und vielleicht auch viel ins Bewusstsein holen, beziehungsweise auch innere Stärken wieder aktivieren.
Wenn es schon darüber hinaus ist, dann ist unsere Empfehlung auf jeden Fall: Such dir einen Arzt. Und selbst wenn der dann feststellt: Nee, Mensch, Herr Salmi, da ist es noch nicht so weit. Ich glaube, Sie haben einfach nur zu viel Stress, Sie sollten sich damit mal auseinandersetzen. Dann bin ich wieder beim Coaching.
Und ich weiß, manchmal ist das für den einen oder anderen Klienten erstmal eine Hürde: Mensch, ja, Geld für mich selber ausgeben. Ist manchmal eine Hürde. Da muss ich aber dazu sagen: Wenn du dir ansonsten auch mal ein 3000-Euro-Sofa kaufst oder einen 1000-Euro-Fernseher – ist es vielleicht diesmal gut investiertes Geld in deine eigene persönliche Gesundheit.
Und bei allen anderen ist einfach der Psychotherapeut die beste Adresse.
So wäre es mal meine Empfehlung. Tanja, was sagst du?
Tanja Hilbert: Kann ich mich zu 100 Prozent nur anschließen, beziehungsweise schließe ich mich sehr gerne an. Ich glaube, damit ist zumindest für den Moment alles gesagt.
Ich glaube, als Faustregel, oder es wäre meine Hoffnung oder mein Wunsch, es vielleicht als Faustregel noch anschließen zu können: Seid achtsam mit euch selber, mit eurem Gegenüber. Ich finde, Selbstfürsorge ist an dieser Stelle noch so ein schönes Wort. Und wenn irgendwas sein sollte, wenn man bei sich selber was wahrnimmt, bei seinem Gegenüber was wahrnimmt: Vertraut euch an, sucht das Gespräch miteinander, passt auf euch und auf den anderen auf.
Ich glaube tatsächlich, dass es ganz, ganz viele Momente gibt, in denen sich viel schaffen lässt, und dass es für alles immer einen Weg gibt, dass es sich wieder findet und wieder gut wird. Aber ich glaube, das Miteinander-aufeinander-Aufpassen ist so einer der entscheidenden Punkte. Und dann genau diese Schritte, wie du sie gerade beschrieben hast, für sich oder mit dem anderen halt eben auch gemeinsam zu gehen. Ich glaube, dann sind wir auf einem guten Weg.
Christopher Salmi: Ja, absolut. Ich glaube auch.
Und ansonsten: Kommt einfach in unseren Workshop. Da muss ich einfach nochmal Werbung für machen, weil das wird euch richtig gut tun, da bin ich mir sehr sicher. Selbst wenn ihr einfach nur neugierig seid und euch mal mit ein bisschen Achtsamkeits- und wissenschaftlichen Themen und Übungen beschäftigen wollt, seid ihr da herzlich willkommen. Es muss nicht immer erst die Alarmglocke läuten.
Und es ist auch für Teams, das ist ja auch meine eigene Erfahrung, super, super hilfreich. Es gibt Nachbarabteilungen, die schon hellhörig geworden sind, Tanja, kann ich dir sagen. Ist also auch ein sehr gutes Zeichen.
In dem Sinne hoffen wir einfach beide, dass euch das eine kleine Inspiration war. Bei Fragen meldet euch jederzeit, kommentiert, liked, teilt wie die Wutz, hätte ich fast gesagt. Weiß ich auch nicht, wo das jetzt herkam. Aber genau, teilt gerne, fragt, wenn ihr Fragen habt.
Und dann wünschen wir euch erstmal einen wunderbaren Tag, Abend, was auch immer gerade bei euch ist. Und ich freue mich auf jeden Fall, wenn ihr das nächste Mal wieder einschaltet. Und ich freue mich, Tanja, wenn du auch wieder mal zu Gast bist.
Tanja Hilbert: Chris, es hat mir großen, großen Spaß gemacht. Und ich freue mich auf alles, was da zukünftig kommt.
Christopher Salmi: Sehr schön. Vielen Dank, dass du da warst. Und an dich da draußen: Viel Spaß und bis zum nächsten Mal.
Das war eine weitere Folge Coach Gelaber von und mit Christopher Salmi.