Coach Gelaber · Folge 11
Die Zukunftskonferenz Teil 2
Wie fühlt es sich wirklich an, wenn knapp 100 Menschen gemeinsam ihre Strategie erarbeiten – und mitten in der Vorbereitung Corona dazwischenfunkt? Nach der Theorie aus Teil 1 erzählen Christina Krabatsch (Führungskraft bei der Telekom) und Facilitatorin Ilona Bernlöhr im Gespräch mit Christopher Salmi, wie sie eine Zukunftskonferenz für rund 86 Menschen komplett virtuell durchgeführt haben. Du hörst, warum eine Pilotgruppe Gold wert ist, wie emotional der Prozess wurde – inklusive Tränen, Zweifeln und Gänsehaut-Abschluss – und was die drei heute anders machen würden. Ein ehrlicher Praxisbericht über Führung, Vertrauen und das Aushalten von Unterschieden.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Pilotgruppe als repräsentativer Querschnitt der Organisation – hier 50:50 aus Führungskräften und Mitarbeitenden, aus jedem Team – erkundet die Sackgassen vorab und bereitet die Konferenz inhaltlich mit vor.
- Die Zukunftskonferenz funktioniert auch virtuell: Mit Zoom-Gruppenräumen und Mural-Boards haben rund 86 Menschen an vier auseinandergezogenen Tagen eine gemeinsame Strategie erarbeitet – Corona zwang das Team mitten in der Vorbereitung zum Umbau.
- Die Phase „Stolz und Bedauern“ war für Christina die Schlüsselerkenntnis als Führungskraft: In kürzester Zeit wurde sichtbar, mit welchem Weltbild die Menschen ankommen, was ihnen Energie gibt und wo noch „Leichen im Keller“ liegen.
- Der Prozess tut auch mal weh: Fast jedes Pilotgruppenmitglied musste zwischendurch den Raum verlassen, um Emotionen zu sortieren – genau dieses Aushalten auf Augenhöhe schweißte Führungskräfte und Mitarbeitende zusammen.
- Es gibt einen Unterschied zwischen Wissen und Begreifen: Vertraue in die Gruppe und investiere das „Frontloading“ am Anfang – die Energie, die Du früh hineinsteckst, zahlt sich nach hinten raus unglaublich aus.
Transkript
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Coach Gelaber von und mit Christopher Salmi.
Christopher Salmi: Schönen guten Tag, Merhaba, Selam Aleikum. Herzlich willkommen zur nächsten Folge Coach Gelaber, wieder mal mit mir, Christopher Salmi. Immer noch aus Bonn, bei schönstem Sonnenschein und warmen Temperaturen.
Und heute möchte ich – möchten wir vielmehr – andocken an die letzte Folge, also an den Teil 1 zur Zukunftskonferenz. Denn in dieser Folge soll es jetzt um die Praxis gehen. Also: Wie war es denn jetzt wirklich? Jetzt haben wir viel über Theorie gesprochen. Heute geht es darum, wirklich mal abzugrasen: Wie fühlt sich das an, wenn das dann wirklich mal gemacht wird?
Und da freue ich mich natürlich, dass auch heute wieder dabei sind: einmal die Christina und die Ilona. Also nochmal herzlich willkommen und schön, dass ihr beide dabei seid.
Christina Krabatsch: Ja, wunderbar, ich freue mich. Ja, danke auch, dass ich heute wieder dabei sein darf.
Christopher Salmi: Schön. Ich freue mich. Ich würde vorschlagen, wir machen einfach einen kleinen Check-in, damit wir so ein bisschen warm werden und erstmal wieder in den Redefluss kommen. Dafür habe ich eine Frage mitgebracht – wir machen das Ganze im facilitativen Sinne. Die Frage ist: Als welches Tier bist du heute Morgen aufgewacht?
Christina Krabatsch: Oh ja, das ist eine schwierige Frage. Ich fange mal an. Also, ich habe ja heute Nacht nicht zu Hause geschlafen, sondern ich bin gestern Abend schon angereist, hier nach Bonn, habe im Hotel geschlafen. Und ja, vielleicht würde ich sagen, ich bin so ein bisschen als Zugvogel heute Morgen aufgewacht. Nicht im eigenen Bett – das ist ja immer eine besondere Situation. Ich glaube, das fasst es ganz gut, wenn man so als Reisende unterwegs ist. Also heute Morgen war ich ein Zugvogel.
Christopher Salmi: Na schön.
Ilona Bernlöhr: Genau, da mache ich mal weiter. Also, ich konnte mich heute nicht so richtig aufraffen. Von daher würde ich sagen – ich weiß nicht, ob ihr das kennt –, wie so ein Hund, der sich rechtsrum und linksrum und noch einmal dreht, weil er die Kuhle noch nicht so richtig fertig hat. Ich bin, glaube ich, heute Morgen als Hund wach geworden.
Christopher Salmi: Das ist auch ein schönes Bild. Also ich kann euch sagen, ich bin heute Morgen als Faultier wach geworden. Als ich nämlich noch so vorm Spiegel stand, die Augen, die wollten einfach nicht aufgehen. Und gefühlt war ich genauso langsam, wenn nicht sogar noch ein bisschen langsamer als so ein Faultier. Aber jetzt nicht mehr – nach Kaffee, Wasser und nach dem Zusammentreffen mit euch beiden wunderbaren Menschen, um über dieses noch viel wunderbarere Thema zu sprechen.
Und ich will vielleicht nochmal ganz kurz wiederholen – die letzte Folge ist schon ein bisschen her, in der Hoffnung, dass ihr sie euch alle gut angehört habt. Wir haben in der letzten Folge über die Theorie gesprochen: über dieses große Format mit vielen Menschen in einem Raum, wo wir bestimmte Phasen haben, fünf an der Zahl. Wo es um Prinzipien geht, so etwas wie das ganze System im Raum zu haben. Und wo es auch eine Geschichte gibt: Wo kommt das eigentlich her, mit einer ganz bestimmten Intention? Und wann das eigentlich auch hilfreich ist – auch das haben wir uns angeguckt, um dann schon mal ein ganz kleines bisschen Richtung Praxis zu kommen.
Und das wollen wir heute weiterführen und intensivieren. Christina, ich würde mit dir gerne nochmal anfangen, einfach auch, um den Recap so ein bisschen abzuschließen. Vielleicht magst du nochmal teilen: Du bist ja ein Teil der Telekom. Was ist denn da so deine Rolle und Position?
Christina Krabatsch: Also, ich bin schon recht lange ein Teil der Telekom, über 20 Jahre kann man sagen. Ich habe in den letzten zehn Jahren verschiedene Führungsjobs gehabt. Und zu dem Zeitpunkt, als wir uns kennengelernt haben, da hatte ich gerade einen Bereich übernommen mit circa 100 Leuten – mit der Aufgabe, die als Team zusammenzuführen.
Inzwischen habe ich einen anderen Bereich, der noch ein bisschen größer ist und ein bisschen was anderes macht, im Produktionsbereich. Ich bin jetzt sehr in der Fläche unterwegs. Zu dem Zeitpunkt, wo wir uns kennengelernt haben, war ich mehr in den zentralen Einheiten unterwegs. Und ja: Führung ist so ein bisschen meine Profession.
Christopher Salmi: Schön. Ja, danke fürs Teilen. Dann lass uns doch mal einsteigen. Du hast ja die Zukunftskonferenz am eigenen Leib erlebt. Wie kam es jetzt überhaupt dazu?
Christina Krabatsch: Ja, also wie gesagt: Als wir uns kennengelernt haben, hatte ich gerade einen ganz frischen Bereich übernommen, der sich auch neu konstituiert hat. Wir hatten zu dem Zeitpunkt in der Firma ein größeres Transformationsprogramm. Und der Bereich, die 100 Leute, die kamen aus vier unterschiedlichen Technikbereichen – zwar aus der gleichen Firma, aber kulturell aus komplett anderen Themenbereichen. Aus Bereichen, wo völlig andere Managementprinzipien geherrscht haben. Und die Menschen haben auch völlig unterschiedliche Erfahrungshorizonte mitgebracht. Auch die Themen waren zwar vom Grundsatz her zusammengehörig, aber dann doch wieder unterschiedlich.
Und letztendlich ist ja die Frage, wenn man so einen Bereich übernimmt: Wo will man mit so einem Team inhaltlich hin? Was ist zum einen die Erwartungshaltung von außen, und wie gießt man das jetzt mit der Mannschaft zusammen in eine Umsetzungsstrategie, um da auch hinzukommen?
Und ich habe recht schnell gemerkt: Die Menschen waren heterogen unterwegs. Von total offen für alles mögliche Neue über „ja, finden wir interessant, machen wir mit“ bis hin zu einem Team, das sich – ich habe es immer gerne so bezeichnet – in seiner Verzweiflung häuslich eingerichtet hatte. Und letztendlich war die große Herausforderung: Wie brichst du das erstmal ein Stück weit auf, dass da Offenheit entsteht? Und wie kriegt man gemeinsam einen Angang hin für das große Ganze, das man sich definiert?
Der klassische Lösungsansatz – ich glaube, ich hatte in der ersten Folge erzählt, ich komme so aus dem Innovationsbereich, habe am Anfang meiner Zeit in der Telekom viel Strategiearbeit gemacht – wäre gewesen: Da setzt sich mal so ein Strategieteam zusammen, gerne auch mit einem Berater. Das macht man dann, je nachdem, wie groß die Aufgabe ist, ein Vierteljahr, ein halbes Jahr. Und dann steht da irgendwas auf tollen, bunten Folien. Das versucht man dann der Mannschaft beizubringen und irgendwie zu sagen: „Hier, that's it, follow me.“
Und damals habe ich gedacht: Nee, das wird hier nicht funktionieren. Also ja, das kann man machen, aber da erreichst du nur einen Teil. Und wahrscheinlich werden die, die in ihrer Verzweiflung sind, da noch tiefer reinfallen. Und das war auch der Zeitpunkt, wo ich euch dann kennengelernt habe. Da war ich auf der Suche: Wer könnte uns denn auf einem völlig anderen Weg mal begleiten? Bin so mit meinem Anliegen an euch herangetreten – und durfte dann diesen Ansatz der Zukunftskonferenz kennenlernen.
Christopher Salmi: Jetzt haben wir dir dann erklärt, erzählt, was man da so machen kann. Was war denn so dein erster Eindruck, als ein bisschen Klarheit da war, wie so ein Prozess aussehen kann?
Christina Krabatsch: Ihr habt ja in der ersten Folge sehr, sehr gut beschrieben, was so die einzelnen Stationen sind und dass man das als Großformat für die gesamte Mannschaft anbieten kann. Und mit dem, was man sich an Prozess und Ergebnis erwartet, fand ich das genau das Richtige für diesen Bereich, für dieses Team.
Ich habe allerdings in dem Moment ein bisschen – wie sagt man so schön – gestruggelt, ob wir das jetzt wirklich so direkt im ersten Schuss auf die Mannschaft loslassen sollten. Und da haben wir dann ja auch nochmal drüber gesprochen: Können wir da vielleicht noch so eine Vorstufe einbauen?
Christopher Salmi: Ja, da ist es an der Stelle vielleicht auch gut, wenn wir nochmal was zum Prozess selbst sagen. Weil, wie du das richtig eingeläutet hast: Wir haben noch ein bisschen was dazwischengebaut. Und wir haben auch ein, zwei Besonderheiten, könnte man sagen, die für eine klassische Zukunftskonferenz nicht ganz so normal sind. Ilona, vielleicht fliegen wir einfach mal durch. Ich glaube, das Erste, was man sagen kann – was Christina schon eingeleitet hat: Wir haben nochmal eine Pilotgruppe dazwischengesetzt.
Ilona Bernlöhr: Genau. Jetzt hat „Pilotgruppe“ natürlich nicht unbedingt was mit Flugzeugen zu tun. Vielleicht ja auch doch – weil es Menschen gibt, die dann verantwortlich sind für alle, die dahinter sitzen.
Aber Pilotgruppe hat halt einfach den Charme, dass Vertreterinnen und Vertreter da sind von all dem, was da so kreucht und fleucht. Also in deinem Beispiel, Christina: Menschen aus diesen unterschiedlichen Teams. Das ist der eine wesentliche Aspekt. Aber auch Menschen aus unterschiedlichen – ich nenne es mal – Hierarchiestufen, also in unterschiedlichen Funktionen, sind ganz wichtig.
Und das ist deswegen so wichtig, damit ihr hinterher die Chance hattet zu sagen: Wir haben alle Stimmen im Raum. Die Mitarbeitenden, die Verzweifelten, die nach vorne Strebenden. Wir haben die Führungskräfte dabei, wir haben alle Funktionen dabei gehabt. Wir haben die dabei gehabt, die es gewohnt sind, in sehr flexiblen Organisationen zu arbeiten, und welche, die sehr strikte Zeitpläne erfüllen.
Das war schon echt spannend. Das kann ich noch gut erinnern, dass da Menschen zusammenkamen, die wirklich für ihre Position in all der Vielfalt, die sie jeweils repräsentiert haben, eingestanden sind. Das Einzige, was ich heute noch erinnere: Da saßen jede Menge Männer. Der Frauenanteil war extrem gering.
Christopher Salmi: Ja, das stimmt. Ich finde auch dieses Bild zu dieser Thematik Pilotgruppe mal ganz schön: Wenn man sich das gedanklich vorstellt – da stehen Menschen so auf einer Landkarte, als diese repräsentative Gruppe, die den Querschnitt der Organisation abbildet. Die lostrampeln und erkunden und merken: Ah nee, hier ist nichts. Dann wieder zurücktrampeln und eine andere Route nehmen. Also für die anderen ein bisschen die Route formen, damit die anderen nicht noch diese Umwege ausprobieren müssen – sondern die Sackgassen finden. Und vielleicht schon direkt einen besseren Zielweg gehen. Eben viel Zeit sparen und gut anknüpfen können.
Wir haben ja noch eine Besonderheit quasi auferlegt bekommen, so will ich es mal sagen. Wir waren ja so kurz vorm Durchführen dieser Zukunftskonferenz, also des Zusammenkommens dieser ganzen Menschen – und dann kam Corona. Das heißt, wir mussten alles auf digital umbauen. Also: Wir konnten alles auf digital umbauen.
Das war erstmal eine Monsterarbeit. Und auch für uns das allererste Mal, so ein Format virtuell durchzuführen – mit Hilfe von Zoom, also mit Gruppenräumen, mit Mural oder Miro, wie auch immer, welches Tool man nehmen will. Das war schon echt erstmal eine Hausnummer.
Christina Krabatsch: Auf jeden Fall. Also wenn ich mich nochmal so geistig zurückspule: Ich erinnere mich noch an dieses Meeting, Ilona, du erinnerst dich, als wir in Münster saßen und das Thema kam – hier, Corona, und ab sofort Lockdown. Wir waren ja wirklich komplett in den Vorbereitungen. Und auch für die Pilotgruppe, die das ja inhaltlich mit vorbereitet hat, in dieser Enttäuschung anzukommen, dass das jetzt so nicht funktionieren wird – das war nochmal so eine Zusatz-Change-Aufgabe mit drin: das als Team auszuhalten, dass das jetzt so nicht geht. Und dass wir jetzt gemeinsam einen Weg finden müssen, wie wir es trotzdem tun können.
Also das war auch rückblickend gesehen für das Team eine enorme emotionale Herausforderung. Sowohl für euch, die ihr uns da methodisch und dann auch technisch begleitet habt, als auch für die Pilotgruppe und für den gesamten Bereich. Weil bei den ganzen Mitarbeitenden erstmal die Akzeptanz für die Methode nochmal hergestellt werden musste – aber dann auch für diese gesamte Technik.
Wie bewege ich mich auf dem Mural-Board? Wie geht denn das mit dem Wechsel zwischen den Räumen? Ich glaube, wir haben es damals nicht mit Webex gemacht, wir haben es mit Zoom gemacht. Wie geht das mit dem Rein- und Rausschalten? Also da war eine Fülle von intellektuellen Aufgaben zu lösen, die vorher noch keiner so gemacht hatte. Das war schon nochmal so ein Spezialthema on top.
Christopher Salmi: Ja, absolut. Heute kannst du im Internet recherchieren: virtuelle Etikette, wie verhält man sich jetzt bei Meetings? Das gab es ja alles noch gar nicht. Das kam ja alles von Holterdiepolter. Und dann kam auf einmal diese Schranke: Nee, hier geht es jetzt nicht weiter.
Ilona Bernlöhr: Und das fand ich insofern total faszinierend, weil wir ja in der Pilotgruppe so einen Probelauf gemacht haben, damit ihr wirklich ein gutes Gefühl dafür habt, was dann mit allen Beteiligten passiert. Also zehn, elf Leute haben ausprobiert, was dann mit knapp 100 Leuten passiert.
Und dann das Thema: Jetzt müssen wir diesen 100 Leuten auch noch erklären, wie es funktioniert. Und wir müssen das als Facilitatoren in einer Form erklären – wir haben keine Chance, die Leute zu treffen und ihre Reaktion anders zu sehen, sondern wir erklären über den Bildschirm. Also auch da gab es nochmal eine Schranke: Ich kann die Reaktion der Menschen nicht mehr spüren. Ich kann maximal den Gesichtsausdruck sehen.
Das war, weiß ich noch, im Vorhinein – bei aller guten Vorbereitung – schon etwas, wo ich gedacht habe: Ich bin sehr gespannt, ob uns das gelingt. So aus der Ferne Empathie aufzubauen für das, was da in der Gruppe passiert.
Christopher Salmi: Ja, absolut. Also das war auf jeden Fall eine Herausforderung, vor der wir alle standen. Das kann man schon so sagen.
Jetzt haben wir viel über den Standardprozess gesprochen. Wir haben eine Pilotgruppe davorgesetzt, da haben wir geplant. Dann kam auf einmal der Knüppel. Und wenn du jetzt nochmal so ein bisschen an dieses ganze Konstrukt denkst – so an diesem Schritt, bevor diese Zukunftskonferenz dann auch wirklich stattgefunden hat, im virtuellen Raum: War das das, worauf du immer gewartet hast? Oder gab es dann noch so das Innerliche: War das jetzt wirklich eine gute Idee?
Christina Krabatsch: Ich grinse jetzt schon mal zu Ilona hin. Also ich würde sagen, ich habe da ein ziemliches Wellenbad der Gefühle mit diesem ganzen Prozess durchlaufen. Ilona hat das live mitgekriegt. Ich glaube, es ging dir an manchen Ecken genauso.
Ilona Bernlöhr: Nein, wie kommst du denn darauf?
Christina Krabatsch: Dadurch, dass ich das persönlich zweistufig durchlaufen durfte – weil ich ja sowohl Teil des Pilotteams war als auch dann natürlich an der Zukunftskonferenz teilgenommen habe –, muss ich sagen: Es war gut, dass ich vorher in der Pilotgruppe war. Weil mich hat es da innerlich schon manchmal zerrissen.
Also was super war: tatsächlich die Anfangsphase, ich habe es ja auch im ersten Teil schon gesagt, dieses Thema „Stolz und Bedauern“. Das war für mich persönlich in meinem Führungsauftrag nochmal so eine ganz krasse Schlüsselerkenntnis: Ey, mit was für einem Weltbild kommen diese Menschen eigentlich an, die zum Teil schon lange hier in der Firma sind? Was haben die so mitgebracht? Wo ziehen die ihre Energie raus? Was macht die glücklich, und was macht sie auch furchtbar unglücklich?
Und – du hast das Haus der Veränderung, glaube ich, beim ersten Mal angesprochen – wo liegen denn da auch noch so Leichen im Keller? Ich glaube, wir haben das damals „Egon“ genannt. Wie viele Egons haben wir denn hier noch?
Also das war für mich so ein Punkt, wo ich gar nicht wüsste – wenn wir das nicht gemacht hätten –, wie viel Zeit ich gebraucht hätte, um durch die Dialoge mit den Führungskräften, mit den Mitarbeitenden an diese Punkte ranzukommen. Also das war eine sehr schnelle und effiziente Methode. Und auch für alle gleich, weil es auch gleich in diesem Raum geteilt wurde. Ein sehr guter Schritt.
Schwieriger wurde es dann natürlich nach hinten raus. Allein schon an dem Thema Trends haben wir uns, glaube ich, ziemlich abgearbeitet. Dadurch, dass es doch unterschiedliche Themenkomplexe waren, für die die Kolleginnen und Kollegen stehen, war für jeden auch der Trend etwas anderes. Oder auch das Wort „Strategie“.
Ilona Bernlöhr: Oh ja.
Christina Krabatsch: In der Vorbesprechung haben wir auch nochmal darüber gesprochen, bis wir diesen strategischen Satz – wo wollen wir eigentlich mit dieser Unternehmung hin – formuliert hatten. Aber genau das war ja dieses Vergemeinschaften, dieses tatsächliche Begreifen: Wo soll es hingehen? Das war schon gut.
Der Weg dahin war manchmal schmerzhaft, auch für mich. Und ich war oft an dem Punkt, wo ich gesagt habe: „Also wir machen es jetzt so wie immer. Wir waren jetzt hier fertig, ich kann nicht mehr, das wird so nichts.“
Und wo wir uns dann aber in Kleingruppen gegenseitig festgehalten haben und gesagt haben: Nee, jetzt wollen wir das aber zum Ende bringen. Weil wir wollen das jetzt einmal komplett durchlebt haben, um zu sagen: War das der richtige Weg – beziehungsweise was lernen wir aus diesem Weg?
Also, deine Eingangsfrage – war es das, was du erwartet hast, und ist das das bestgeschnittene Brot ever, um so etwas zu tun: klares Jein für den Moment. Dadurch, dass ich es einmal gemacht habe, wüsste ich natürlich jetzt nach hinten raus, was ich an manchen Ecken vielleicht anders machen würde. Aber ich würde es auf jeden Fall wieder tun.
Christopher Salmi: Und ich frage auch sonst immer ganz gerne: Tat es auch mal weh? Das hast du gerade schon so ein bisschen erzählt. Ich würde mal reininterpretieren: ja.
Christina Krabatsch: Ja, also es tat manchmal sehr weh. Ich habe, glaube ich, auch einmal sogar meinen Raum verlassen müssen, ne?
Ilona Bernlöhr: Ja. Aber da warst du nicht alleine. Ich kann mich an keinen Teilnehmer der Pilotgruppe erinnern, der nicht zwischendurch wirklich gut schnaubend, enttäuscht, traurig, völlig erledigt den Raum mal verlassen hat und gesagt hat: Ich gehe mal kurz raus und sammle wieder Energie, fokussiere mich auf mich selber, um zu gucken, wo ich eigentlich gerade stehe und was mir gerade guttut – um dann gut für die Gruppe da zu sein. Im Sinne von: Ich kann das aussprechen, was mich gerade bewegt.
Weil das ist, glaube ich, die allergrößte Schwierigkeit: Da war so viel Emotion da, dass man das gar nicht mehr in Worte fassen konnte. Ich kann das aus eigener Erfahrung echt berichten. Ich stand dann da und dachte so: Okay, du bist nicht beteiligt, du bist nicht Teil des Systems – du kannst aber den Raum nicht verlassen.
Christina Krabatsch: Ja, also das war auf jeden Fall auch eine Schlüsselerkenntnis. Ich weiß nicht, ob man es als Nebeneffekt bezeichnen kann – aber dass wir tatsächlich über diesen Prozess auch die Möglichkeit hatten, unsere Emotionen da auszudrücken, und dass das völlig akzeptiert war.
Zumal wir ja auch ein gemischt hierarchisches Thema hatten – wir hatten ja Führungskräfte und Mitarbeitende da drin. Und wir hatten über diese Diskussionen tatsächlich so ein Augenhöhen-Niveau erreicht, wo jeder auch mal so sein konnte, wie er ist. Und sagen konnte, was ihn gerade betroffen gemacht oder extreme Störgefühle in ihm ausgelöst hat. Das war schon gut.
Christopher Salmi: Ich erinnere mich da auch noch an so eine Situation, wo wir, glaube ich, über das Thema der Co-Kreation gesprochen haben, mit Hilfe des Delegation Poker oder der verschiedenen Partizipationsstufen. Wo es auch mal ein bisschen lauter in diesem Raum wurde. Einer deiner Kollegen hat gesagt: „Ist das jetzt immer Stufe 6?“ – oder so, ich weiß gar nicht mehr, über was wir da konkret gesprochen haben. Und das hat ganz deutlich gemacht: Wow, was steckt da eigentlich noch für eine Emotion – und eigentlich Energie – drin, die sich mal schlagartig nach draußen begibt. Also es war sehr spannend.
Ilona Bernlöhr: Wobei man auch immer sagen kann: Da, wo diese Energie ist, da ist halt auch entsprechend der Wert. Das wird ja total sichtbar. Und für diese Gruppe, von außen betrachtet, hat sich gezeigt: Da sind Werte, die tragen wirklich alle mit. Das war ganz wichtig, nach dem Motto: Wir stehen hier gemeinsam dafür, dass das das Beste wird, was wir irgendwie schaffen können.
Also dieses Gemeinschaftsgefühl, das war am Anfang, am Ende, zwischendurch immer wieder da. Und das hat diese Truppe, glaube ich, auch getragen. Und das hat nachher auch die Konferenz getragen. Als dann alle Menschen versammelt waren, war in allen Teilgruppen immer spürbar: Wir wollen hier das Beste rauskriegen für uns nach vorne. Das war extrem gut zu sehen.
Christopher Salmi: Jetzt kam die Konferenz, so wie sie kam. Ilona, du hast schon wunderbar die Überleitung geschaffen. Was sind denn da noch so deine Erinnerungen und Gedanken daran, Christina?
Christina Krabatsch: Also über einen Komplex haben wir ja schon gesprochen: dass man sich mit diesen Techniken auseinandersetzen musste. Da ging natürlich auch ein bisschen Aufmerksamkeit drauf – sodass man im Kern an den Inhalten vielleicht anders gearbeitet hat, als wenn man das tatsächlich physisch irgendwo in einem Raum gemacht hätte.
Aber vom Verlauf und von den Ergebnissen her – das ist jetzt auch schon wieder bald zwei Jahre her, verrückt: Wir sind an die zentralen Kernpunkte, die dieser Bereich im Hinblick auf eine Zielsituation gebraucht hat, wirklich über diese Mannschaft rangekommen.
Da standen dann Themen wie: Wir sind vielleicht organisatorisch – obwohl wir gerade eine Reorganisation hinter uns hatten – noch nicht so ideal aufgestellt, da müssen wir vielleicht nochmal Webfehler auflösen. Das ist rausgekommen, und zwar über die gesamte Gruppe. Obwohl wir das im Führungskreis vorher auch schon immer mal wieder diskutiert hatten, hat man festgestellt: Auch die Mitarbeitenden hatten da Punkte, die hochkamen. Also das, was die Ilona im Theorieteil so schön ausgeführt hat: Alles, was da ist, kriegt man irgendwie sichtbar. Das hat sich da klar herausgeschält, auch mit den zentralen Punkten.
Natürlich auch thematische Dinge, die über die Trendthematik reinkamen. Es ist ja kein Geheimnis, dass die Telekom gerade einen riesigen Glasfaserausbau in Deutschland treibt. Das kam damals schon raus: dass wir hier dringend was tun müssen in verschiedensten Teams, um das zu stützen.
Also rundum: Ich war mit dem Ergebnis tipptopp zufrieden. Und was vielleicht noch viel entscheidender war: dass dieser Weg dahin, also das Durchleben des Prozesses, für alle so wichtig war. Das fand ich eigentlich die noch viel tollere Geschichte an der ganzen Durchführung.
Christopher Salmi: Ja, ich kann mich auch noch gut an den Abschluss erinnern. Und ich weiß gar nicht, ob wir das schon gesagt haben: Wir haben das ja aufgeteilt in vier Tage sozusagen, die aber nicht in einer Rutsche durchliefen, sondern wir haben es ein bisschen auseinandergezogen. Weil es dann doch einfach sehr anstrengend ist, gerade im Virtuellen. Ich glaube, wenn man das vor Ort macht, ist das nochmal was anderes – aber die ganze Zeit auf den Bildschirm zu starren und sich da zu konzentrieren, ist doch sehr anstrengend.
Und ich erinnere mich eigentlich an zwei Effekte. Bevor ich zu diesem Abschlussgefühl komme: die Teilnahme. Wir haben ja fast alle dabei gehabt – das waren so 80, 86 Menschen, glaube ich. Also fast den ganzen Teil deiner Organisation. Und der war auch die ganze Zeit dabei. Es war wirklich sehr viel Energie.
Und ich fand: Beim Abschluss war trotz des Virtuellen irgendwie Gänsehaut da. Und ich habe dann gedacht: Boah, wenn wir das jetzt in einem Raum erlebt hätten – also sprich die ganze Energie dieser ganzen Menschen auch noch in einem Raum –, meine Güte, was wäre dann erst los gewesen? Das fand ich wirklich erstaunlich. Auch wenn ich persönlich immer glaube, das Virtuelle kommt irgendwo an seine Grenze, war das doch zu merken, zumindest bei mir. Ging das euch auch so?
Christina Krabatsch: Auf jeden Fall. Auch rückblickend gesehen: Ich habe ja auch genau auf die Menschen geschaut, vor allem die, die in meinem nächsten Umfeld von Führungskräften waren. Da war doch der eine oder andere dabei, der große Zweifel hatte – der auch, sagen wir mal, von einem ganz stringenten Arbeitsumfeld kam, wo immer klar war: zack, zack, rechts, links. Der nachher ein richtiger Fan von dem Thema war, sich wahnsinnig beteiligt hat, noch Filmchen gedreht hat und genau diese Abschlussmomente dann mitzelebriert hat. Also ja, kann ich absolut unterstreichen.
Christopher Salmi: Ja, das war schon magisch.
Ilona Bernlöhr: Also ich kann nur sagen: Die Truppe hat sich in diesen vier Tagen wirklich extrem entwickelt. Das Zusammenhalts- und Zugehörigkeitsgefühl in diesem virtuellen Raum – und damit umzugehen und zu sagen: Okay, wenn das jetzt gerade mit dem Ton oder dem Bild bei dir nicht klappt, nicht schlimm, wir nehmen dich trotzdem mit, schreib in den Chat rein oder finde eine andere Lösung. Also die sind auch wahnsinnig selbstständig mit dieser Technik geworden.
Christopher Salmi: Ja, das stimmt. Jetzt ist die Zeit ja rum – also, ich meine, jetzt mit der Zukunftskonferenz. Und du bist ja schon weitergezogen und hast da richtig viel erlebt, hast auch schon ganz viel geteilt. Und wenn du dich jetzt nochmal umdrehst und zurückguckst und auch so auf dich schaust: Was hat denn dieses Ganze, was du da erlebt hast, mit dir gemacht? Also was trägst du jetzt immer noch mit dir? Was ist davon übrig geblieben in dir?
Christina Krabatsch: Was ist davon übrig geblieben in mir? Also auf jeden Fall die Bestätigung – obwohl ich ja zwischendrin auf dem Weg auch große Zweifel hatte –, dass es die absolut richtige Entscheidung war, das durchgezogen zu haben. Und dass ich, je nachdem, in welche ähnliche Situation ich mal wieder komme, das durchaus nochmal prüfen würde und sagen würde: Ey, das ist ein super Format, das kann man tatsächlich gut nochmal anwenden.
Bin ich damit immer auf Akzeptanz gestoßen – nicht in meinem direkten Umfeld, sondern bei den Kollegen in der Peer Group? Ich glaube, wir wurden da schon ein bisschen belächelt für dieses Thema. Also das ist rückblickend gesehen ein Punkt, wo ich sage: Wie verkauft man dieses Thema, oder wie erzählt man die Geschichte dazu an der Außenkante nochmal anders? Das ist auch so ein Learning für mich. Wenn ich das nochmal tue: Wie würde man das tatsächlich nochmal anders erklären, auch an den Außenkanten?
Aber unterm Strich: Nach wie vor finde ich es eine super Methode, um so eine gesamte Gruppe irgendwo abzuholen und gemeinsam auf den Weg zu kommen.
Christopher Salmi: Hat es dich als Mensch selbst irgendwie verändert? Also bist du da irgendwie anders rausgekommen, als du reingegangen bist – so ganz persönlich?
Christina Krabatsch: Also ich glaube schon, dass ich an meiner persönlichen Resilienz gearbeitet habe – und auch an dem Aushalten verschiedener Meinungen. Das, womit wir uns im Hinblick auf Servant Leadership und Neuroführungsprinzipien die letzten Jahre intensiv beschäftigt haben: Das war einfach ein Riesen-Lehrstück.
Ich sage ja gerne auch: Es gibt einen Unterschied zwischen Wissen und Begreifen. Und ich für mich persönlich habe durch diese Erfahrung begriffen, was das heißt, was wir sonst immer nur auf irgendwelche Folien schreiben oder in Führungskräfteseminaren versuchen zu simulieren und zu üben – das mal an einem echten, realen Objekt zu verproben.
Ich glaube, da habe ich für mich tatsächlich viele Dinge mitgenommen. Was heißt: Vertrau mal in die Gruppe, geh mutig einen neuen Weg. Den Tipp kann man jedem geben – daran kann man das wunderbar mal durchexerzieren.
Christopher Salmi: Ja. Schön. Du hast ja vorhin schon gesagt, ganz im Sinne des Storytellings: Nach draußen hättest du es vielleicht anders kommuniziert. Gibt es noch irgendwas anderes, was aus deiner Sicht hätte anders sein müssen?
Christina Krabatsch: Worüber ich mir immer wieder Gedanken gemacht habe, war die Zusammensetzung der Pilotgruppe. Da haben wir ja eigentlich schon einen recht progressiven Ansatz gewählt. Die Idee war: Die Gruppe darf nicht größer sein als zehn. Wie kriegen wir das hin? Wir haben gesagt: Okay, wir machen 50:50 – fünf Mitglieder aus dem Führungsbereich, fünf Mitglieder aus der Mitarbeiterschaft, und idealerweise noch aus jedem Team.
Und da haben wir damals auch gesagt: Wir definieren jetzt nicht ein Mitglied von den Mitarbeitenden, das da mitarbeitet. Und wir sagen auch nicht: Wer hat denn Bock mitzumachen? Sondern wir geben das in das Team und sagen: Wer ist denn euer Klassensprecher sozusagen, der hier mitmacht? Dem ihr das Vertrauen schenkt, hier praktisch für euch die Dinge mitzubringen. Dem ihr dann aber für die Zeit – weil es war ja letztendlich eine On-Top-Leistung zum Tagesgeschäft – auch den Rücken freihaltet.
Ich glaube nach wie vor, dass das ein super Ansatz war. In der Umsetzung hat es nur nicht so richtig gut geklappt. Und da würde ich rückblickend nochmal besser dran arbeiten – auch zu sagen: Ey, passt mal auf, ihr als Team, ihr habt den jetzt hier nominiert, und ihr haltet dem jetzt auch den Rücken frei. Weil das war für den einen oder anderen manchmal schon eine Blutgrätsche, diese „Strategiearbeit“ noch so on top mitzumachen.
Also da würde ich mir, wenn wir nochmal so einen Pilotgruppenansatz wählen würden, nochmal Gedanken machen, ob es etwas Intelligenteres gibt, so ein Team zusammenzustellen.
Christopher Salmi: Da muss ich natürlich direkt gemein fragen: Lag es nur am Team oder auch an der Führungskraft?
Christina Krabatsch: Tja, ich glaube, da machen wir dann mal einen anderen Podcast drüber, oder?
Christopher Salmi: Okay. Ich glaube, so langsam können wir zum Fazit kommen. Du hast ganz viel geteilt – und vielen Dank an der Stelle schon mal dafür. Ich glaube, das geht zum einen aus der Theorie schon hervor und auch aus deiner Erzählung: ein Wahnsinnsformat, das auch seine Spuren hinterlässt. Also auch im positiven Sinne, Gott sei Dank. Ilona – oder ich frage mal anders: Was wäre dein Fazit, so aus der Facilitator-Perspektive?
Ilona Bernlöhr: Mir geht es ein wenig wie der Christina. Also ich bewundere immer noch unseren gemeinsamen Mut, sich darauf einzulassen. Weil das bindet ja auch meine Ressourcen – das hat mich sehr lange, anderthalb Jahre, begleitet. Wobei ich im Nachgang sehr, sehr froh bin. Aber wenn jemand vorher gesagt hätte, wie lange sich das hinzieht, welche Emotionalität da drinsteckt, welche Verantwortung da drinsteckt – hätte ich wahrscheinlich Nein gesagt. Ich bin total froh, dass ich das damals nicht wusste und es gemacht habe.
Deswegen ist mein Fazit: Ich würde das auch immer wieder machen. Du hast mich das vorhin gefragt – ich würde es wieder machen. Ich würde mir auf jeden Fall von Anfang an gute Unterstützung holen, auf der Facilitatoren-Seite eine gute Supervision, um das Team, welches auch immer es dann ist, gut zu begleiten, gut aufzufangen – soweit das in meiner Verantwortung liegt.
Und das ist genau das Fazit, das ich auch teile: die gute, klare Vorbereitung. Welche Rolle hat wer? Welche Rolle hat die Führungskraft? Welche Rolle hat eine mögliche Pilotgruppe? Welche Rolle hat ein Facilitator? Das gut und immer wieder zu vereinbaren – das ist, glaube ich, auch ein Erfolgsrezept.
Christopher Salmi: Christina, dein Fazit?
Christina Krabatsch: Mein Fazit – also vielleicht eine Empfehlung. Ich würde das als Empfehlung aussprechen: Ich persönlich würde es auch immer wieder tun, wenn so eine Situation im Raum steht. Vielleicht für Führungskräfte, die hier zuhören: Wenn man so ein Team bekommt, das sich neu finden muss – von Anfang an dieses sogenannte Frontloading zu investieren, auch wenn es Aufwand ist.
Und ja, ich unterstreiche alles, was Ilona gesagt hat. Das kostet Kraft und Energie am Anfang, und es kostet auch während des Prozesses Energie. Aber ich glaube, alles, was man am Anfang investiert, zahlt sich nach hinten raus unglaublich aus.
Christopher Salmi: Schön. Ich kann mich da total anschließen, bei euch beiden. Ich bin ja ein bisschen später dazugekommen, nach dir, Ilona. Ich möchte die Zeit auch nicht missen – also jede einzelne Sekunde, sei sie noch so anstrengend gewesen. Ich habe da auch ganz viel lernen können. Vor allen Dingen auch dieser Switch von „wir treffen uns in einem Raum“ zu „jetzt machen wir auf einmal alles digital“ – und was das mit den Menschen macht, und was das auch mit Führung machen kann, wenn wir so intensiv an so einem Auftrag arbeiten.
Du hast es vorhin gesagt: Wie lange man über ein Wort diskutieren kann, ist immer noch eins meiner Lieblingsbeispiele in meiner Erzählung. Allein bei dem Wort „Strategie“. Das ist auch bei mir im Kopf hängen geblieben. Also da bin ich auch total froh, da mit euch unterwegs gewesen zu sein.
Gut, ich hoffe, dass es für euch da draußen – wenn ihr so ein bisschen auf der Suche wart nach „Was ist denn das überhaupt?“ oder „Was gibt es denn da so?“ – euch ein bisschen eröffnet hat, was möglich ist. Und neben der ganzen Theorie, die ja auch wunderbar in irgendwelchen Büchern rumsteht: wie es sich in der Praxis wirklich anfühlen kann. Und ja, dass es auch mal ein bisschen wehtut, dass es sich aber total lohnt, durchzuhalten. Und das ist natürlich auch, was man so ein bisschen mit der Resilienz für die Zukunft macht – das hast du sehr schön beschrieben, Christina.
Deswegen erstmal danke, dass ihr zugehört habt. Danke an euch beide, dass ihr euch überhaupt bereit erklärt habt, mit mir hier einmal durch diese Erinnerung zu reisen. Vor allen Dingen durch dich, Christina. Und ja, wenn ihr Fragen da draußen habt, meldet euch gern. Nutzt die Kanäle, die zur Verfügung stehen. Schreibt, fragt – dann kommen wir gerne in den Kontakt, auch zur Zukunftskonferenz oder zu dem, was euch in diesem Kontext bewegt.
Ich wünsche euch erstmal weiterhin einen schönen Tag, Nacht, was auch immer – wo ihr auch gerade seid und wann ihr vor allen Dingen auch gerade seid. Und freue mich drauf, wenn ihr beim nächsten Mal wieder einschaltet. Bleibt, wie ihr seid, und bis zum nächsten Mal.
Tschüss, tschüss. Das war eine weitere Folge Coach Gelaber von und mit Christopher Salmi.